Nr. 02/2019 vom 10.01.2019

Augenscheinlich die «Widmerwoche»

Ruedi Widmer über Flughunde, Augäpfel und das Wef

Von Ruedi Widmer

Kunde: «Haben Sie das neue Buch von Hoe… Hoell… Hoelle… äh … Houelle… ?» Buchhändler: «Sie meinen von Ueli Maurer?» Dieser trifft am Wef den amerikanischen russischen Präsidenten Trump zu einem Vier-Augen-Gespräch. Wie muss man sich das vorstellen? Augen können zwar mehr sagen als Worte, aber doch nicht über Politik. Logischer wäre Zwei-Münder-Gespräch oder Zwei-Zungen-Gespräch. Oder Zwei-Hirne-Gespräch, aber das geht mit Trump vielleicht gar nicht. Ebenfalls anreisen wird Latin-Sexist Bolsonaro. Fehlt nur noch Kim Jong Un. Wenn der jetzt mit seinem Zug von Beijing, wo er gerade bei Xi zu einem Vier-Augen-Austausch weilt, weiterfährt, am Drei-Augen-Schluchten-Staudamm vorbei, dann ist er am 20. Januar in Wien und zehn Stunden später in Buchs SG, dann kann er gut Richtung Davos fahren. Dort ist zwar Schmalspur, dann muss er sich halt etwas dünner machen.

Oder von Buchs aus könnte er auch nach Zürich fahren und der WOZ-Redaktion einen Besuch abstatten, worauf allen Redaktorinnen und Redaktoren vor Erstaunen die Augen herauskullerten und ein 28-Augen-Austausch im wahrsten Sinne des Wortes stattfände, weil doch niemand seine eigenen Augen kennt, wenn sie so am Boden liegen, ohne das Drumherum der Falten und Lider, die erst den Charakter, den Blick ausmachen. Man nähme dann einfach jene, die man ergreifen kann. Und schon würde mal jeder die Welt mit den Augen des anderen sehen!

Das Rechercheteam des «Spiegels», das die Artikel von Claas Relotius auf Erfundenes absucht, hat inzwischen festgestellt, dass Tom Kummers Interviews nicht einfach erstunken sind (so hat man einen Interviewten namens Tom Hanks tatsächlich in den USA aufspüren können), und selbst die Hitler-Tagebücher sind nicht einfach erlogen (Hitler hiess tatsächlich Adolf).

Ähnlich wie im IT-Bereich, wo dauernd neue Standards alte Standards ablösen (Thunderbolt statt USB 3), ist es auch im syrischen Terrorismus. Nach dem irgendwie verlebten Islamischen Staat von 2014/15 ist seit 1. Januar 2019 in Syrien die HTS aktiv, drei Buchstaben, die wir uns merken müssen. War USB eine Microsoft/IBM-Entwicklung, ist Thunderbolt von Apple. Der Apple des Terrorismus, die uncool gewordene und schon ganz vergessen gegangene al-Kaida (remember den charismatischen Gründer Steve Jobs Usama Bin Laden), hat die HTS etabliert, die nun in Idlib in Syrien wütet. Damit ist al-Kaida ein grosser Coup geglückt, vor allem zum Leidwesen von Samsung des Islamischen Staats, und um als Erste auch ein HTS zu ergattern, werden sich Schlangen vor den Al-Kaida-Shops bilden. Nun, man kann solche Scherze auch mal mit anderen Augen sehen, wenn man sie nicht so witzig findet …

HTS ist neu und Mengla auch. Mengla ist ein neu entdeckter, mit Ebola verwandter Virus, der in einem chinesischen Rosettenflughund gefunden wurde und der gemäss der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Laborversuchen auf den Menschen übertragbar ist. Die Rosettenflughundepest wird bald die Schlagzeilen füllen, und der Rosettenflughund wird, sofern vorhanden, in allen Zoos der Welt aus dem Programm genommen, so wie Kevin Spacey oder Kurt Aeschbacher.

Was ist auch mit unserer Jugend los? Statt zu arbeiten, machen sie sich über uns Ältere lustig. Da wird der Generationenvertrag überhaupt nicht eingehalten. Nachdem letzten Dezember eine Fünfzehnjährige die PolitikerInnen auf der Klimakonferenz in Polen blossstellte, hat nun ein Zwanzigjähriger den Deutschen Bundestag gehackt, und die dreissigjährige amerikanische Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez wird 2020 US-Präsidentin werden. #StoppIt, kann man da nur rufen! 33 sollte das Mindestalter für politische Menschen sein. Der fleissige Sebastian Kurz (33) macht es nämlich ganz gut!

Ruedi Widmer ist 45 und fliegt täglich mit seiner Rosettenflughündin Laika spazieren.

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