Nr. 09/2019 vom 28.02.2019

Energetisches Nullsummenspiel

Von Stephan Pörtner

Die Entdeckung der frühen Morgenstunden als Zeit der körperlichen Ertüchtigung und des geistigen Auftauens hatte seinem Leben eine ungeahnte Wendung verliehen. Anstatt die Dämmerung unruhig in unerholsamen Leichtschlafphasen zu verwälzen, turnte er nun in tiefster Dämmerung auf seiner Matte, verbog den Körper in alle Windrichtungen und erwarb dabei eine Kraft und Geschmeidigkeit, die mindestens bis zum zweiten Frühstück anhielt. Dass sich dieses vor lauter Wohlgefühl mitunter in den frühen Nachmittag ausdehnte, trug zur produktiven Nutzung der neu gewonnenen Dynamik wenig bei. Immerhin fielen durch das frühe Zubettgehen all die kräftezehrenden Nachtvergnügungen weg, sodass von einem energetischen Nullsummenspiel gesprochen werden durfte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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