Nr. 11/2019 vom 14.03.2019

Abschied aus der Arbeitswelt

Von Stephan Pörtner

Dass der Abstieg aus der Mittelklasse nicht mit einem Umzug ins Mittelland verbunden war, erfüllte Schnabelbeck mit Dankbarkeit. Die Verbannung in diese Nebel- und Sumpfgebiete hätte ihm buchstäblich den Rest gegeben. Nach dem vorzeitigen und nicht ganz freiwilligen Abschied aus der Arbeitswelt freute er sich täglich, noch immer inmitten des Treibens dynamiküberschäumender, selbstoptimierungsgestählter Erfolgsmenschen und solchen, die immerhin so taten, als ob, zu leben. Dieses hyperambitionierte Umfeld liess keine Minderwertigkeitsgefühle aufkommen, ganz im Gegenteil, beim Schlendern vorbei an den Unerschwingliches anbietenden Geschäften, den überteuerten Gastronomiebetrieben und hochprofitablen Kaderschmieden ergriff ihn stets die innere Überzeugung, gerade noch einmal davongekommen zu sein.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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