Nr. 14/2019 vom 04.04.2019

Verpufft!

Von Stephan Pörtner

Das Abhandenkommen der Zurechnungsfähigkeit weiter Bevölkerungsteile nach Feierabend, in den eigenen vier Wänden, in einen Bildschirm teufelnd, entwickelte sich vom Symbol des Niedergangs zivilisatorischer Errungenschaften zu einem blossen Hintergrundgeräusch, das ekelhaft war, aber kaum noch Gefahr barg, die Massen zu infizieren und auf finstere Abwege zu leiten. Bei den anstehenden Regional- und Grossmachtswahlen würde sich zeigen, ob der Dauerbeschuss mit erfundenen Empörungsmeldungen noch die Kraft besass, Mehrheiten zu schaffen, denen Vernichtung, einschliesslich Selbstvernichtung, näher lag als Existenzsicherung im weiteren Sinne. Die Hoffnung auf Verpuffen der Wirkung fusste weniger auf einkehrender Besinnung als der schieren Erschöpfung, die das ständige Aufgebrachtsein verursachte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Seine neue Gaunerkomödie «Die Bank-Räuber» tourt aktuell mit Beat Schlatter in der Hauptrolle durch die Deutschschweiz: www.diebankraeuber.ch. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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