Nr. 34/2019 vom 22.08.2019

Planet der Affen

Von Timo Posselt

In die Landschaft des Films «Monos» wird man regelrecht hineingeworfen: karge Wiesen, neblige Hügel und ein Bunker als einziges Obdach. Belebt ist dieses ausserirdisch anmutende Gelände von Jugendlichen ohne Vorgeschichte. Sie tragen tierisch-fantastische Spitznamen, praktizieren eigentümliche Rituale und werden von einem kleinwüchsigen Comandante trainiert, der sie wahlweise Soldaten oder «Monos» (Affen) nennt.

Erst allmählich lichtet sich der Nebel über dem Geschehen: Die Jugendlichen sind Paramilitärs im kolumbianischen Hochland, die mit Maschinengewehren eine US-Geisel bewachen. Die Mädchen und Jungen leben in trügerischer Eintracht mit der entführten Amerikanerin. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Abwesenheit von sexualisierter Gewalt, eine Seltenheit in diesem Kontext, sondern auch das Spiel mit queeren Motiven. Farbarme Grossaufnahmen zeigen eine zwar rohe, aber immer wieder verspielte Körperlichkeit. Der Soundtrack der britischen Komponistin Mica Levi verstärkt den Eindruck einer schier extraterrestrischen Fremdheit mit Samples von Streichern, Pauken, Flöten und Chören. So entwickelt der kolumbianisch-ecuadorianische Regisseur Alejandro Landes in der ersten Hälfte einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Die fragile Hackordnung unter den Jugendlichen zerbricht, als ihre Milchkuh namens Shakira einer leichtsinnig abgefeuerten Kugel zum Opfer fällt. Gefahr droht fortan von innen und von aussen: Regierungstruppen greifen an, unter den Monos entbrennen Machtkämpfe. Die Jugendlichen flüchten in den Dschungel, und dabei verliert der Film etwas seinen Fokus, als er der US-Geisel auf ihren Fluchtversuchen folgt.

Doch dann kriegt Regisseur Landes noch einmal die Kurve und wartet mit einer pessimistischen, aber überzeugenden Pointe auf: Ist die Gewaltspirale einmal angestossen, generiert sie unweigerlich neue jugendliche Paramilitärs. Die Aussteiger hingegen erwartet eine ungewisse Zukunft.

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