Nr. 37/2019 vom 12.09.2019

Wohlstandsverlust

«Klimakrise: ‹Da muss man doch einfach mal sagen: Schluss!›», WOZ Nr. 36/2019

In aller gewünschten Klarheit äussert sich Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, zum Stand der Klimaforschung. Die Tatsachen liegen, in Umrissen schon seit Jahrzehnten, auf dem Tisch und werden ständig verfeinert. Politik und Gesellschaft aber weigern sich, nun endlich die erforderlichen Schlüsse zu ziehen. Eines schleckt keine Geiss weg: Je wohlhabender ich bin, desto grösser ist mein ökologischer Fussabdruck, den ich dem gebeutelten Planeten zumute. Ich weiss nicht, warum keine Bundesrätin, kein Politiker, keine Partei auf diesen offensichtlichen Zusammenhang hinweist. Es wird wohl die Angst vor neuen Verteilkämpfen sein, von denen niemand weiss, wie sie ausgehen werden. Ein entschlossener Kampf gegen den Klimawandel wird aber ohne Wohlstandsverlust, mindestens für die besser verdienende Hälfte unserer Bevölkerung, nicht zu haben sein. Und kein vernünftiger Mensch wird den Zeiten der billigen Ölheizungen, der klotzigen Autos, der zwanghaften Flug- und Kreuzfahrtlust nachtrauern.

Dieter Liechti-Keller, Bülach

Ein zweiseitiges Interview mit Klimaforscher Knutti, aber kein Wort zur Hauptverursachenden des Klimawandels, der Tierproduktelandwirtschaft. Je nach Autor macht sie 13 bis 51 Prozent aus. Dabei wäre es viel leichter, diesen Missstand zu korrigieren, als alle Häuser zu sanieren, alle Ölheizungen zu ersetzen und alle Benzinautos in Elektroautos zu verwandeln: Verzicht auf die Tierprodukte, die ausnahmslos unnötig sind. Wir würden dadurch nicht nur etwas fürs Klima, sondern auch für unsere Gesundheit tun. Die allergrössten Profiteure aber seien vor allem erwähnt, denn sie verdienen es am allermeisten: die Tiere, die endlich nicht mehr in Tierfabriken und Schlachthäusern ausgebeutet werden müssten.

Renato Werndli, Eichberg

Mehr LeserInnenbriefe!

«LeserbriefschreiberInnen: Leidenschaft, Mission, Welterklärung», WOZ Nr. 36/2019

Ich finde es sehr gut, dass sich die WOZ des Problems der schwindenden Leserbriefkultur annimmt und einige besonders engagierte Leserbriefschreibende porträtiert. Vermutlich wissen die Bezahlzeitungen gar nicht, wie der Leser auf diese Sparübungen reagiert. Im «Tages-Anzeiger» ist der Platz für Leserbriefe, wie Sie richtig schreiben, extrem geschrumpft. Besser sieht es bei der NZZ aus, jeden Tag, ausgenommen am Samstag, etwa eine halbe oder gar ganze Seite. Ein NZZ-Redaktor, den ich darauf angesprochen habe, erklärte mir, dass der Leitartikel zwar die grösste Aufmerksamkeit geniesst, dicht gefolgt von den Todesanzeigen. Aber dann folgen auf Platz drei bereits die Leserbriefe. Weshalb gibt es nicht mehr davon?

Martin A. Liechti, Maur

Mit Interesse habe ich die Berichterstattung zum Thema Leserbriefe verfolgt. Die im Artikel gemachten Feststellungen sind bedauerlicherweise richtig: Die Zeitungen in der Schweiz drucken, aus welchen Gründen auch immer, merklich weniger Leserbriefe ab als auch schon. Dies ist aus demokratiepolitischer Sicht problematisch, denn das Instrument des Leserbriefs ermöglicht es breiten Kreisen der Bevölkerung, mit geringem Aufwand am öffentlichen Diskurs teilnehmen zu können. Das Argument, dass doch alle ihre Meinung im Internet kundtun könnten, sticht dabei nur bedingt, denn dort gibt es keinen mit den traditionellen Leserbriefspalten der Zeitungen vergleichbaren Raum für öffentliche Debatten, sondern hauptsächlich von allen Seiten viel Polemik und wenig Differenzierung. Erstaunt war ich jedoch, als ich Folgendes las: Die WOZ bekommt im Schnitt sieben Leserbriefe pro Woche, druckt davon im Schnitt aber nur zwei ab, folglich wird nur gut ein Drittel der erhaltenen Zuschriften publiziert. Wenn schon der Untergang der Leserbriefkultur beklagt wird, könnte doch die WOZ mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Zuschriften abdrucken. Ein ziemlich guter Vorschlag, finden Sie nicht auch?

Cedric Branschi, per E-Mail

Anmerkung der Redaktion: Von den rund 220 LeserInnenbriefen, die der WOZ während der ersten 33 Ausgaben des Jahres 2019 geschickt wurden, machten die Hälfte die rund 110 Briefe aus, die eine einzige Person in diesem Zeitraum an die WOZ (und wohl auch an viele andere Medien) geschickt hatte, ohne dabei je auf einen WOZ-Artikel Bezug genommen zu haben. Von den restlichen 110 Briefen wurde mehr als die Hälfte abgedruckt.

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