Nr. 07/2020 vom 13.02.2020

Von Franziska MeisterMail an AutorIn

Das richtige Leben

Fit und vegan – für Klima und Umwelt und nicht zuletzt für sich selbst: Selbstoptimierung und Körperkult als Versuch, die Kontrolle zu bewahren in einer Welt, die zunehmend ausser Kontrolle gerät? Was zeitgeistig tönt, ist so neu nicht. Die ersten Reformläden hierzulande entstanden bereits um 1900, vom Zürichberg bis auf den Monte Verità setzte man seinen nackten Körper Licht und Luft aus, übte sich in Ausdruckstanz und experimentierte mit alternativen Lebensformen. In der Ausstellung «Lebe besser! Auf der Suche nach dem idealen Leben» zeigt das Bernische Historische Museum die Geschichte der Lebensreformbewegung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Gestützt auf ein Forschungsprojekt der Uni Fribourg geht sie auch den Schattenseiten der Bewegung nach, wo die Sinnsuche mitunter in düstere rechte Sumpfgebiete führte.

«Lebe besser!» in: Bern Bernisches Historisches Museum, Do, 13. Februar 2020, bis So, 5. Juli 2020. www.bhm.ch

Zum Wippen schön

Sie sind noch keine dreissig Jahre alt, diese sechs Frauen mit dem Mann am Bass – aber ihr erstes Album, «Blume», vor einem halben Jahr erschienen, macht bereits international Furore. Kaum zu glauben, dass Jazz so in die Beine fahren kann, wenn er mit Afro, Soul, Funk und einer Prise Hip-Hop gewürzt wird! Nérija, so nennt sich das Septett mit vier Bläserinnen, Schlagzeugerin und Gitarristin, kommt aus dem aktuell wohl innovativsten Jazzschmelztiegel des Westens, der im Rahmen der Reihe «London Jazz Calling» regelmässig im Moods in Zürich zu Gast ist. Dass so viele Frauen in die Männerbastion des Jazz vordringen, ist nicht zuletzt dem Ausbildungsprogramm «Tomorrow’s Warriors» zu verdanken, das seit bald zwanzig Jahren vor allem weibliche Talente und junge MusikerInnen mit Migrationshintergrund fördert. Der Kulturwandel zeigt sich auch im Zusammenspiel: Man versteht sich mehr als Kollektiv denn als Plattform für Solotrips. Im Fall von Nérija steuert jedes Bandmitglied Kompositionen bei.

Nérija in: Zürich Moods, Sa, 15. Februar 2020, 20.30 Uhr (Türöffnung: 19.30 Uhr).

Vom Norden hoch …

Zum 14. Mal wehen am 14. und 15. Februar nordische Klänge durch Theater, Beizen und Clubs in St. Gallen, vom elektronisch aufgemischten Folk aus Finnland bis zum isländischen Hip-Hop. Es kommt zu kulturellen Begegnungen besonderer Art: Am Eröffnungsabend etwa treffen moderner grönländischer (Gerth Lyberth) und neu interpretierter rätoromanischer Pop (Tumasch è) aufeinander.

Nordklang Festival in: St. Gallen diverse Veranstaltungsorte, Fr, 14. Februar 2020, 20 Uhr, und Sa, 15. Februar 2020. www.nordklang.ch

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