Im Affekt : Guckt mal, wer da spricht!

Nr.  11 –

28 Penisse haben sie gezählt – nicht etwa im Sexkino, sondern im Lichthof der Universität Zürich. Aber nicht dass eine Horde von Studenten plötzlich ihr Glied ausgepackt hätten: Die 28 Penisse sind dort tagtäglich zu bewundern, an den antiken Reliefs und Statuen, quasi in Dauerausstellung. Ausgezählt hat sie das feministische Hochschulkollektiv für seine Aktionswoche im Februar. Dort sollte auch der Kurzfilm «Le sexe féminin existe» gezeigt werden, wie das Onlineportal «Tsüri» berichtete. Kommt nicht infrage, fand dann aber die universitäre Kommission zum Schutz vor sexueller Belästigung, die den Film vorab begutachten wollte: Im Lichthof könne man dieses Video nicht einfach ohne Abschirmung zeigen, schliesslich seien dort auch Kinder und Jugendliche unterwegs.

Was ist das für ein Film des Kollektivs Blue Vulvettes? Erst geht da mal ein roter Samtvorhang auf, ein bebrillter Bürokrat kündigt ein «absolut unlustiges» Thema an, und dann: Bühne frei für die Vulva. Es ist quasi ein antisexistisches Kasperlitheater in drei Akten, das ungeniert frontal die anhaltende Tabuisierung der Vulva aufs Korn nimmt – von der Bibel bis heute, von Menstruation bis Masturbation. Und das alles in gerade mal zehn Minuten.

Was lernen wir nun daraus? 28 Penisdarstellungen im Lichthof sind okay, aber wenn auf einer Kasperlibühne eine leibhaftige Vulva doziert und am Ende des Films gar unter der Discokugel tanzt, kennt die akademische Obrigkeit keine Gnade.

Das Veto gegen die Vulven passt indes zur Bildpolitik der Universität im Lichthof. Die prächtigste Statue dort ist ja die geflügelte Nike von Samothrake: ohne Arme, vor allem aber auch ohne Kopf. Schon etwas speziell von einer Universität, dass die Frau, die den prominentesten Platz zugewiesen bekommt, kopflos sein muss. Wenn die Frau an der Uni schon keinen Kopf zum Denken und zum Reden hat, womit soll sie denn sonst denken und reden, wenn nicht mit der Vulva?

Memo an die Kommission gegen sexuelle Belästigung: Wer montiert denn nun Stellwände, um die 28 Penisse abzuschirmen?