Nr. 38/2020 vom 17.09.2020

Der Vergleich hinkt

«Solidarische Landwirtschaft: Reicht es, wenn man als Biolieferant ein bisschen besser ist?», WOZ Nr. 36/2020

Eine Genossenschaft der Landwirtschaft, die sich der Marktlogik nicht verschliesst, in vielen Belangen ein Vorzeigebetrieb ist und die, im Gegensatz zum Rest der Bauernwelt der Schweiz, ohne Direktzahlungen auskommt und dieses Jahr ihren 40. Geburtstag feiert, hätte einen schöneren Artikel verdient als den von Renato Beck in der WOZ.

Nicht nur, dass Herr Beck im Artikel Kausalitäten suggeriert, die für sich genommen keine sind («Das gelang vor allem deshalb, weil (…) die Firma (…) eher tiefe Löhne bezahlt»), auch der Vergleich mit anderen landwirtschaftlichen Genossenschaften hinkt: Vergleichbar werden Löhne dann, wenn auch transparent gemacht wird, wie viele Prozent der Angestellten freiwillig oder als PraktikantInnen beschäftigt sind. Aus meiner Sicht gibt es unterschiedliche Modelle; man kann auf Freiwilligenarbeit und PraktikantInnen als Ergänzung zu Festangestellten setzen und dies auch gut begründen, man kann aber genauso Menschen mit geringer Ausbildung eine Vollzeitanstellung als Broterwerb mit Gestaltungsspielraum anbieten.

Die beiden Modelle sind an sich weder gut noch schlecht, es sind einfach unterschiedliche Wege, die beide Vor- und Nachteile mit sich bringen. Wenn man sich als Genossenschaft das Ziel setzt, möglichst viele Menschen mit biologischem, saisonalem und regionalem Gemüse, das zu hundert Prozent aus Eigenanbau stammt, zu versorgen, dann verfolgt man andere Wirkungsziele als ein kleiner, ebenso biologischer und regionaler Betrieb mit 250 Abos. Aber die Modelle gegeneinander auszuspielen, sollte nicht das Ziel der WOZ sein. Es braucht politische Entscheide für eine ökologische und soziale Landwirtschaft, und es braucht KonsumentInnen, denen ihr Essen etwas wert ist. Auf die einzuschlagen, die sich auf je ihre Weise bemühen, einen Unterschied zu machen, verfehlt das eigentliche Ziel. Schade.

Linda Jucker, Genossenschafterin

Der Luchs ist im Visier!

«Jagdgesetz-Abstimmung: Der Wolf hat Platz – und das Schaf?», WOZ Nr. 37/2020

Die WOZ meint, dass Tiere geschützter Arten wie Luchs, Biber, Gänsesäger oder Graureiher nicht Gefahr laufen, mit dem neuen Jagdgesetz «reguliert», also systematisch getötet, zu werden. Die verwunderliche Begründung für diese Einschätzung: Es gebe (Zitat) «keine sachlichen Gründe dafür». Lustig! Seit wann brauchen denn ParlamentarierInnen sachliche Begründungen, um ihre Interessen und die ihrer Klientel zu verfolgen? Fakt ist: Der Ständerat hatte bei der Beratung des Jagdgesetzes den Luchs bereits auf die Abschussliste gesetzt, ebenso den Biber. Beim Biber stimmte auch der Nationalrat zu. In letzter Minute hat die rechtsbürgerliche Mehrheit realisiert, dass das für den Abstimmungskampf nicht klug wäre. Sie strich Biber und Luchs wieder von der Liste. Aus dem gleichen Grund hat der Nationalrat Graureiher und Gänsesäger mit einem Zufallsmehr von 97 zu 94 Stimmen noch vor systematischen Abschüssen verschont.

Der Bundesrat bindet seinen Entscheid, Luchs, Biber, Graureiher und Gänsesäger vorläufig nicht auf die Abschussliste zu setzen, vollständig an die Entscheide des Parlaments. Kommt das Gesetz durch, kann das Parlament den Bundesrat via Motion sofort verpflichten, diese Arten doch noch auf die Abschussliste zu setzen. Es ist sonnenklar, dass entsprechende Vorstösse folgen werden, wenn das neue Jagdgesetz durchkommt. Gerade der Luchs ist vielen JägerInnen ein Dorn im Auge. Regelmässige illegale Abschüsse legen davon ein beklemmendes Zeugnis ab. Deshalb: Sorgen wir für ein besseres Jagdgesetz, indem wir jetzt Nein zu dieser naturfeindlichen Vorlage sagen!

Rico Kessler, Rünenberg

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