Nr. 39/2020 vom 24.09.2020

Verantwortungslos

«WOZ-Flüchtlingsgipfel: ‹Zwanzig Minderjährige? Was für ein schlechter Witz!›», WOZ Nr. 38/2020

Karin Keller-Sutter hat entschieden, 23 minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen. Die Frage ist nun, was mit den anderen 13 000 hilfsbedürftigen Menschen passiert, für welche wir hier angeblich keinen Platz haben. Kommen sie in Internierungslager? Werden sie verhaftet? Oder gar auf dem Meer ausgesetzt? Es ist eine Schande, diese Menschen im Stich zu lassen. Sie werden noch mehr leiden, ohne dass es hier in Europa die Politikerinnen und Politiker interessieren würde. Wie schlecht muss es Leuten gehen, die lieber auf der Strasse hungern, als zurück in ein von Europa gesteuertes Flüchtlingslager zu gehen? Die Menschen hatten Angst davor, in dasjenige Lager zurückzukehren, das ihnen angeblich Schutz und Hilfe bieten soll. Das Lager von Moria missachtete Menschenrechte. Wir sollten endlich handeln und den Schutzbedürftigen ein richtiges Obdach und richtige Hilfe bieten. Tausende Menschen in ein Lager mit Stacheldrahtzäunen zu sperren und sie auf engstem Raum hungern zu lassen, ist keine Hilfe. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Jan Wettstein, Gymnasiast, per E-Mail

Die mit dem Schaf tanzen

«Jagdgesetz-Abstimmung: Der Wolf hat Platz – und das Schaf?», WOZ Nr. 37/2020

Jetzt bringt also auch die WOZ noch einen Artikel über maximal sympathische SchafhalterInnen. Nüchtern betrachtet bilden solche Bergbäuerinnen eine kleine Minderheit unter den Berglern. Deshalb provoziert mich die Aussage im Artikel, dass man doch «den Menschen im Berggebiet ein positives Zeichen (…) geben» solle. Gleich mit der Giesskanne? Eher nicht. Zu Schafen und Wölfen wurde aber schon genug geschrieben. Deshalb möchte ich mich einer tieferen politischen Dimension der Diskussion zuwenden, die leider im Artikel ausgeblendet wird.

Ein paar Hundert besorgte oder aufgebrachte SchafhalterInnen vermögen die grosse Emotionalität dieser Debatte nicht zu erklären. In deren Hintergrund läuft eine Auseinandersetzung, die nur punktuell offen ausgesprochen wird. Bei dieser geht es um «romantisierende Städter», die der «hart arbeitenden Landbevölkerung» ihre Existenz erschweren. Hinter solchen Zuschreibungen geht es im Kern um konkurrierende Konzeptionen zur Natur und zur Landwirtschaft. Um das wachsende Bedürfnis nach Schutz von Naturräumen und Biodiversität einerseits. Andererseits um ein Naturverständnis und eine Landwirtschaft, die weiter auf Chemie, intensive Tierhaltung und eine «ausgeräumte» und «kontrollierte» Landschaft setzen. Für diese Politik führt die Bauernlobby mit blauen Bauernhemden und Sennenhunden eine verlogene Kampagne zu «bäuerlichen Werten». Dieses Narrativ einer romantisierten «bäuerlichen Welt» dient der SVP als Basis für die Aufwiegelung der «Landbevölkerung» gegen «Bundesbern» und «die Städter». Es sind genau solche «Kulturkämpfe», mit welchen Populisten die Gesellschaft spalten. Dabei wird gerne auch ausgeblendet, dass man die Hand beisst, die einen füttert.

Man kann den Bogen beim Verstehenwollen der Landbevölkerung auch überspannen. Hat diese schon jemals irgendwer zu mehr Solidarität mit weniger privilegierten StädterInnen aufgerufen? Immerhin gibt es in den ungeliebten Städten bisher eine hohe Bereitschaft zu Milliardentransfers aufs Land. Aus Gründen der Nachhaltigkeit, der Raumplanung, der Gerechtigkeit und aus Respekt vor gewachsenen Strukturen. Für diese Partnerschaft bräuchte es ein konstruktives Gegenüber. Aktuell erleben wir das Gegenteil: Das bewusste Ausspielen vom «Land» gegen «die Stadt». Ein Weg in die Sackgasse.

Urs Fankhauser, Bern

Unvorstellbar?

«Finanzpolitik: Die Coronasteuer reicht nicht», WOZ Nr. 38/2020

Yves Wegelin schreibt: «... selbst wenn sie (die Schweiz) dieses Jahr unvorstellbare 150 Milliarden Franken mehr ausgeben würde ...». 150 Milliarden Franken unvorstellbar? Jeff Bezos von Amazon kann nachhelfen: Er besitzt ein persönliches Vermögen von circa 200 Milliarden Franken. Stimmt da etwas nicht?

Angelo Andina, Tschlin

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