#digi : TX setzt auf Schwarmkredite

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Crowdlending – alle können Bank spielen und Geld verleihen. Gleichzeitig ist es leichter, sich einen Kredit zu beschaffen. Das Prinzip ist einfach: In der Mitte befindet sich eine digitale Plattform, die jene, die Geld brauchen, mit denen zusammenbringt, die Geld verleihen möchten. Es braucht keine Bank mehr. In der Schweiz existiert etwa ein Dutzend solcher auf Schwarmfinanzierung spezialisierter Firmen.

Vor einer Woche gab die Zürcher TX Group bekannt, dass sie sich an lend.ch beteiligt, einer der grössten Schweizer Crowdlending-Plattformen. Die TX Group dominiert mit Tamedia (die zahlreiche Tageszeitungen herausgibt) und «20 Minuten» den Medienmarkt. Gleichzeitig baut der Konzern aber auch sukzessiv sein Internetgeschäft aus. Zur Gruppe gehören bekannte Verkaufs- oder Immobilienportale wie tutti.ch, ricardo.ch, homegate.ch oder das Stellenportal jobs.ch.

Dass die TX Group in dieses Geschäft investiert, überrascht nicht, sind doch inzwischen immer mehr grosse Firmen im Crowdlending präsent. So vermittelt zum Beispiel auch die staatliche Postfinance ihren KundInnen via lend.ch Kredite. Für die Grossen ist das interessant, weil sie mit einem Zins von bis zu sieben Prozent rechnen können. Das ist im Zeitalter der Nullzinspolitik eine ordentliche Rendite.

Nach eigenen Angaben hat lend.ch schon Kredite in der Höhe von 1,3 Milliarden Franken vermittelt. In der Schweiz liegt das Crowdlending-Volumen pro Kopf bei etwa 30 Franken. In den USA oder China boomt diese Form der Kreditvergabe allerdings weit mehr, da sind es schon 120 respektive 250 Franken pro Kopf. Man erwartet, dass auch hierzulande das Geschäft noch prächtig wachsen dürfte.

Seit einem Jahr untersteht das Crowdlending dem Konsumkreditgesetz, was einen gewissen Schutz vor Verschuldung bietet; die Plattformen müssen vorgängig überprüfen, ob die SchuldnerInnen überhaupt in der Lage sein werden, den Kredit zurückzuzahlen. Verschiedene Schuldenberatungen sagten auf Anfrage, Crowdlending-Kredite seien noch kein Thema, könnten es aber werden, wenn die Coronakrise andauere und sich Private wie Kleinunternehmen zunehmend verschuldeten.