Medienkonzentration : In den Redaktionen wird gezittert

Nr.  46 –

TX Group und CH Media drehen weiter an der Sparschraube. Dieses Mal trifft es den Regional- und den Lokaljournalismus. Nicht bloss auf dem Platz Bern.

Mit dem Sparhammer an die kleinen Blätter: Der TX-Konzern plant offenbar, die kantonale Berichterstattung seiner kleinen Zeitungen ganz nach Zürich zu verlagern. Symbolbild: WOZ

Die Redaktionen der Bezahlzeitungen von Pietro Supinos TX Group und Peter Wanners Regionalmacht CH Media sollen in den nächsten zwei Jahren siebzig beziehungsweise zwanzig Millionen Franken einsparen. So weit, so bekannt. Was das im Detail bedeutet, ist unklar. Dass es nicht ohne Entlassungen geht, hat selbst Pietro Supino eingeräumt. Ansonsten schweigen sich die Verleger über konkrete Massnahmen bislang aus. Auf dem Platz Bern streiten die Bosse der TX Group, die Politik und die Belegschaft bereits öffentlich. Aber die Zusammenlegung der Regional- und Lokalredaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» ist konzernweit bloss eines von vierzig Sparprojekten (siehe WOZ Nr. 45/2020 ).

Ausdünnung auf dem Land

Wen wird es noch treffen? Demnächst gerät die Kantonalredaktion der drei Zürcher Landzeitungen «Landbote», «Zürcher Unterländer» und «Zürichsee-Zeitung» ins Visier, die auch den unternehmerisch eigenständigen «Zürcher Oberländer» beliefert. Jedenfalls sagt das eine Quelle aus dem Haus Tamedia. Wohl noch im Lauf des Novembers werde eine Arbeitsgruppe installiert, die nach Sparmöglichkeiten sucht.

Nachdem Tamedia 2010 die drei Zürcher Landzeitungen mit der NZZ-Gruppe gegen die «Thurgauer Zeitung» abgetauscht hatte, straffte sie dieses Konstrukt: Seit 2014 gibt es nur noch einen Chefredaktor, der die Landzeitungen von Winterthur aus führt, auch die kantonale Berichterstattung wurde dort angesiedelt.

Nun wird der nächste Konzentrationsschritt vollzogen: Das von der internen Quelle überlieferte Szenario sagt, künftig werde die kantonale Berichterstattung ziemlich sicher von der Regionalredaktion des «Tages-Anzeigers» geleistet. Das wäre ein Abbau der Meinungsvielfalt und eine Schwächung der «ländlichen» Perspektive. Wie viele Stellen diesem Abbau zum Opfer fallen und ob Leute entlassen werden, lässt die TX Group gegenüber der WOZ offen und belässt es bei einer allgemeinen Aussage: Von der Sparrunde bei Tamedia seien alle Bereiche betroffen.

Und in Basel?

Sicher ist: Die mediale Machtkonzentration in den urbanen Zentren des Landes schreitet auf Kosten der ländlichen Regionen voran. Entschieden wird in Zürich und Aarau. Das gilt auch für Basel. Dort immerhin gibt es noch Konkurrenz – neben den beiden grossen Medienhäusern einige kleinere Player wie «OnlineReports» oder «bajour». Nachdem die BaslerInnen Christoph Blocher und Chefredaktor Markus Somm aus der Stadt vertrieben hatten, übernahm die TX Group die «BaZ». Hauptkonkurrentin auf dem Platz ist Peter Wanners «bz – Zeitung für die Region Basel». «Heiss geliebt», sagt einer, der die Medienszene in der Stadt am Rheinknie sehr gut kennt, seien beide nicht. Ob und wann in den beiden Redaktionen der Sparhammer zuschlägt, ist nicht zu erfahren. Dafür kursiert seit längerem ein Gerücht: Supino und Wanner verhandelten hinter den Kulissen über einen Verkauf.

«Infos aus dem Bauch der Bestie»

Die WOZ fragte bei der TX Group und Peter Wanner nach. Beide dementieren das Gerücht. Wanners Antwort: «Ein Verkauf der ‹bz› ist kein Thema. Wir erhalten den Standort Basel aufrecht. Das ist publizistisch richtig – und es funktioniert auch ökonomisch.» Zum Sparprogramm in seinem Haus sagt er, es sei notwendig, um die Redaktionen für die Zukunft gut aufzustellen, insbesondere digital. Die mediale Versorgung auch des ländlichen Raumes sei in der Schweiz im internationalen Vergleich immer noch gut. «Aber dazu muss auch die Politik Sorge tragen. Sie darf keine falschen Anreize schaffen. Wegen der anhaltend rückläufigen Werbeeinnahmen verschliesse ich mich einer staatlichen Medienförderung nicht – einerlei, über welche Kanäle journalistische Inhalte verbreitet werden.»

Beim Ostschweizer Ableger des Wanner-Imperiums, dem «St. Galler Tagblatt», sind die RedaktorInnen schwer verunsichert. Noch wissen sie nämlich nicht, ob die Sparmassnahmen vor allem sie treffen. Mit der WOZ darüber sprechen will niemand aus der Redaktion – nicht solange unklar ist, wie tief die Einschnitte werden. Immerhin erreichte ein anonymes E-Mail mit «Infos aus dem Bauch der Bestie» diverse Medien. Das Mail liegt auch der WOZ vor. Darin wird die interne Kommunikation kritisiert. Im Mail heisst es: «Details, was wo gespart wird, kennt man natürlich noch nicht (die CH-Media-Belegschaft sowieso nicht). Alle befürchten aber, dass das einen weiteren Stellenabbau auch beim ‹St. Galler Tagblatt› und seinen Kopfblättern heissen dürfte. Befürchtungen haben etwa die Ostschweizer Kultur- und alle Lokalredaktionen. Gerüchteweise hört man, dass in Aarau der Spruch umgeht, St. Gallen habe immer noch zwanzig Stellen zu viel gegenüber Aarau und Luzern …»