Nr. 07/2021 vom 18.02.2021

Reparieren statt neu kaufen

Von Florian Wüstholz

Eingebaute Schwachstellen, mangelnde Reparaturanleitungen, keine verfügbaren Ersatzteile und Softwaresupport, der nur wenige Jahre gewährt wird. Hersteller von Smartphones, Druckern oder Staubsaugern wissen genau, wie sie uns dazu bringen, immer wieder neue Geräte zu kaufen – obwohl die alten oft noch Jahre halten würden, wenn sie nur einfacher zu reparieren wären (siehe WOZ Nr. 21/2020).

So besitzt Apple etwa auf die Reparatur der eigenen Geräte ein Monopol, da Ersatzteile und Werkzeug für die zugehörigen Bauteile nur an ausgewählte Werkstätten geliefert werden. Und auch der Landmaschinenhersteller John Deere kämpft seit Jahren heftig gegen die «Right to repair»-Bewegung, wo doch BäuerInnen bloss ihre gekauften Traktoren selber instand halten möchten, ohne dafür zum zertifizierten und teuren Händler gehen zu müssen.

Nun gibt es in Frankreich seit diesem Jahr ein Reparatursignet. Es kennzeichnet, wie gut sich unterschiedliche Geräte reparieren lassen. In fünf Kategorien – wie Zugang zu Reparaturanleitungen oder Verfügbarkeit von Ersatzteilen – gibt es jeweils zehn Punkte zu holen. Das Gesamtergebnis soll den KonsumentInnen Orientierung bieten und für die Hersteller Anreize schaffen, reparierbare Geräte herzustellen. Damit nimmt Frankreich eine Vorreiterrolle ein. Bereits seit 2015 ist die geplante Obsoleszenz – das absichtliche Verkürzen der Lebensdauer von Geräten – verboten. Auch die EU will im Rahmen des «Green Deal» das Recht auf Reparatur stärken. Letzten November sprach sie sich für «eine längere Garantiedauer, garantiert erhältliche Ersatzteile und besseren Zugang zu Informationen über Reparatur und Wartung» aus.

Das französische Signet ist aber noch nicht perfekt. So werden die Angaben nicht unabhängig überprüft; die Hersteller dürfen sich selber einstufen. Auch Sanktionen sollen erst ab 2022 folgen; jedoch nur, wenn man keine Angaben macht – die Richtigkeit bleibt aussen vor. Auch bei den Kategorien wird vieles über den gleichen Kamm geschoren. So schliesst das Fairphone, ein einfach zu reparierendes und zu erweiterndes Smartphone, beim Gesamtergebnis schlechter ab als andere – bloss weil die Ersatzteile nicht so schnell lieferbar sind.

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