Nr. 17/2021 vom 29.04.2021

Von Daniela JanserMail an AutorIn

Per Archiv in die Zukunft

Kann ein Archiv zu einem Wurmloch in eine neue Zukunft werden? Das fragt die Performance «Behind your Eyeballs» von Schauspielerin und Aktivistin Salma Said und Regisseurin Miriam Coretta Schulte. Mit historischem Material aus dem grössten Filmarchiv der ägyptischen Revolution, «858 – An Archive of Resistance», das Said mit dem Medienkollektiv Mosireen geschaffen hat, kann das Publikum jeden Abend beim interaktiven Tarot Zukunftsvisionen entwerfen. 

«Behind your Eyeballs» in: Basel Kaserne, Do/Fr, 29./30. April 2021, 20 Uhr; Sa, 1. Mai 2021, 21 Uhr und So, 2. Mai 2021, 19 Uhr. www.kaserne-basel.ch

Erschütterte Menschen

Die NSU-Morde: Ein Killerkommando des «Nationalsozialistischen Untergrunds» zog nach der Jahrtausendwende durch Deutschland und ermordete Menschen mit Migrationshintergrund. Die Aufklärung dauerte viel zu lange, die Polizei ermittelte zuerst stur im Umfeld der Opfer, die Presse nannte die Mordserie «Döner-Morde». Als 2011 die TäterInnen enttarnt wurden, interessierte man sich vor allem für sie und nicht für die Opfer und ihre Angehörigen. Diese mussten nicht nur den gewaltsamen Tod ihrer Männer, Väter, Brüder, Söhne, Freunde verkraften, sondern auch, dass diese selbst auf schändliche Weise kriminalisiert wurden. Aysun Bademsoy lässt in «Spuren – Die Opfer des NSU» die Familien der Ermordeten ausführlich zu Wort kommen. Sie erzählen vom Schmerz, der bleibt. Und sagen Sätze, an denen sich die Mehrheitsgesellschaft messen muss: «Deutschland ist unsere Heimat geworden. Es ist uns nicht fremd geblieben.» 

«Spuren – Die Opfer des NSU» in: Zürich Kino Xenix. So, 2. Mai 2021, und an den folgenden vier Sonntagen jeweils um 12 Uhr. www.xenix.ch

Stummfilm mit Vision

Erst 1983 wurde eine Kopie des verschollen geglaubten Films von 1930 in der Schweiz gefunden. Ab 2007 gabs ihn als DVD zu kaufen. Heute ist diese Edition des British Film Institute vergriffen – und der Stummfilm «Borderline» des Schotten Kenneth MacPherson gilt weiter als unterschätztes Meisterwerk. Beeinflusst von G. W. Pabst, Sergei Eisenstein und Sigmund Freud, entwickelt er ein tödliches Liebesdurcheinander zwischen einem Schwarzen Paar und einem weissen. Sein aufgeklärter Blick auf Rassismus und Homoerotik weist weit über die dominanten Denkweisen seiner Zeit hinaus. Das Lichtspiel zeigt «Borderline» mit Musikbegleitung von Wieslaw Pipczynski. 

«Borderline» von Kenneth MacPherson in: Bern Kinemathek. Mo, 3. Mai 2021, um 20 Uhr. www.lichtspiel.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch