Nr. 36/2021 vom 09.09.2021

«Grundsätzlich schöne Gedanken»

Von Adrian RiklinMail an AutorIn

Wie die Impfquote rasch und markant steigern? Und so die Zahl der schweren Erkrankungen und Todesfälle senken, das Spitalpersonal entlasten – gleichzeitig aber auch die gebeutelte Gastro- und Kulturbranche unterstützen, Schlechtergestellte mehr teilhaben lassen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern?

Die WOZ träumte in der letzten Ausgabe: Statt Ungeimpfte mit teuren Tests zu strafen, sollen alle LandesbewohnerInnen, die sich doppelt haben impfen lassen, einen Bon im Wert von hundert Franken für den Konsum in Restaurants, Bars, Klubs und Kulturlokalen erhalten. In diesem Traum haben die Idee unter anderen der Zürcher Quartierbeizer Andi Handke, der Direktor der Gesundheitsdirektorenkonferenz Lukas Engelberger, Anne Lévy vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Murat Yakin, Cheftrainer des Fussballnationalteams, präsentiert. Was sagen sie in der Realität dazu?

Handke gefällt «das Belohnende anstelle des Bestrafenden», problematisch findet er «das damit verbundene Ausgrenzen gewisser Gästegruppen». Engelberger bedankt sich für «grundsätzlich schöne Gedanken», glaubt aber, dass die «kostenlose und einfach zugängliche Impfung» reiche: «Die Vergabe eines Zusatzbenefizes bei medizinischen Anwendungen ist in der Schweiz zudem nicht üblich, da der Entscheid unabhängig von monetären Anreizen zustande kommen sollte.» Vom viel beschäftigten BAG kommt keine Antwort, derweil sich der Fussballverband «in dieser Phase der für uns so wichtigen Qualifikationsspiele nicht mehr weiter äussern» will.

SP-Nationalrat Roger Nordmann findet die Idee prüfenswert, hundert Franken jedoch zu viel: «25 Franken wären adäquat, auch wenn das keine Impfgegner, aber sicher ein paar Impffaule bewegen würde.» Und SP-Kopräsident Cédric Wermuth meint: «Vom Grundsatz her ist das sicher eine gute Idee. Auch wir haben in Kantonen und einigen Gemeinden versucht, ähnliche Ideen einzubringen. Wir schauen, ob wir es in die laufende Debatte nochmals einbringen können.»

Und Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer? Lässt ausrichten, dass er bei einer Ausweitung der Zertifikatspflicht Entschädigungen fordert.

Nachtrag zum Artikel «Erst der Piks, dann die Speisekarte» in WOZ Nr. 35/2021.

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