Nr. 45/2021 vom 11.11.2021

Es ist ein Plan

«Steuergeschenke: Die Bürgerlichen im Fieberschub», WOZ Nr. 39/2021

Gratulation zu diesem Meisterwerk. Unglaublich, zu was allem demokratisch gewählte Volksvertreterinnen und -vertreter fähig sind, und dies im Namen der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Als Kandidatinnen und Kandidaten versprechen sie vor der Wahl das Blaue vom Himmel und lassen kurze Zeit später die wohltönenden Vorsätze im Nirwana verpuffen.

In den Nationalrat zogen neu 68 junge, dynamische Damen und Herren ein. Von Vorschusslorbeeren begleitet und dem Willen, einiges unter der Bundeshauskuppel zu verändern. Nun erlaube ich mir, getrieben von grosser Sorge, einen Satz aus dem Artikel herauszupicken. Nämlich den mit der «Gretchen-Frage» «Was ist bloss los im Parlament, das nach der letzten Wahl doch grüner, jünger und weiblicher wurde?»

Die grossen Hoffnungen an das neue Parlament haben sich nicht erfüllt, und es funktioniert auch ohne die Abgewählten nach den bisherigen Mustern vor dem 21. Oktober 2019.

Fazit daraus: Sie können das Fragezeichen bei der Frage «Ist das ein Plan oder nur Verblendung?» weglassen. Es ist ein Plan. Mir kommt dabei noch der uralte Spruch in den Sinn: Wie die Alten «sungen», so zwitschern halt die Jungen. Macht bitte weiter so. Ein mit der WOZ zufriedener Abonnent.

Kurt Koch, per E-Mail

Differenziertes Bild nötig

«Wolf: Hallo Städte, es ist nicht einfach», WOZ Nr. 42/2021

Die Autorin legt den Schwerpunkt ihrer Ausführung zur Wolfssituation im Berggebiet richtigerweise auf die Landwirtschaft. Die plötzliche Entwicklung des Wolfsbestands trifft die Bauernschaft weitgehend unvorbereitet in einer kritischen Phase. Der Umgang mit dem anpassungsfähigen Tier ist für sehr viele Älplerinnen noch viel schwieriger als «nicht einfach». Dies gilt aber nicht für alle, und die Wolfspräsenz ist auch nicht ein unlösbares Problem des Berggebiets.

Im Gegenteil: Die Rückkehr des Wolfs ist eine natürliche Reaktion auf die aktuelle Entwicklung in der Kulturlandschaft in den Bergen und übrigens auch im Flachland: Mehr Rückzugsgebiete aufgrund der verminderten Land- und Alpwirtschaft und vor allem ein hohes Beuteangebot in Form enorm hoher Schalenwildpopulationen infolge einer fehlgeleiteten Jagdpolitik.

In diesem Zusammenhang steht der Wolf für ein logisches und nützliches ökologisches Gleichgewicht. So helfen Grossraubtiere etwa, die Verjüngungssituation im Schutzwald zu entspannen, wo Hirsch, Reh, Gams und Steinbock Schäden und volkswirtschaftliche Kosten in Millionenhöhe verursachen. Wo der Wolf ist, beobachten Försterinnen und Förster rasch verbesserte Jungwaldsituationen. Beim Luchs, der schon länger in der Schweiz heimisch ist, ist dieser Effekt wissenschaftlich belegt.

Die sogenannten Problemwölfe in Siedlungen und Talschaften zeigen bei genauem Hinsehen einzig und allein ein natürliches Verhalten, wenn sie den geschwächten, von ihren Artgenossen vertriebenen und die natürliche Scheu ablegenden Hirschen nachspüren und diese im Sinn einer Gesundheitspolizei erlösen. Mit eingependelten Wild- und Wolfsbeständen werden sich diese Ereignisse zwar nicht ganz vermeiden lassen, aber auf ein für die Menschen verständliches Mass reduzieren.

Es ist nicht korrekt, wenn die Autorin den Umweltverbänden Vorwürfe für die Ablehnung des Jagdgesetzes im letzten Jahr macht. Es waren leider einige Politiker des Berggebiets selbst, die die ausgewogene Vorlage des Bundesrats zu einem Ausrottungsgesetz ummodulierten. Es war deshalb richtig, dass sich eine Mehrheit gegen das Gesetz stellte.

Panik ist auch heute fehl am Platz. Warum sind vielerorts in diesem Alpsommer im Gegensatz zu letztem Jahr beinahe keine Nutztierrisse zu verzeichnen? Warum feiert der Wandertourismus in den Alpen in den letzten zwei Jahren unerwartete Rekorde? Die Bergbevölkerung profitiert ebenso wie die Menschen in den Zentren vom ökologischen Gleichgewicht. An diesem Ziel muss sich ein revidiertes Jagdgesetz orientieren.

Die WOZ tut gut daran, ein etwas differenzierteres Bild des Berggebiets zu kommunizieren.

Martin Kreiliger, Disentis/Mustér GR

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