Nr. 23/2022 vom 09.06.2022

Bad, bad River

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Ist der Ruf erst ruiniert, fliesst es sich ganz ungeniert, könnte man frei zitieren, denn ein Fluss, den hier alle lieben, hat aus indonesischer Sicht gerade seine Unschuld verloren: die Aare.

Auslöser ist eine traurige Geschichte. Ende Mai gerieten drei junge Leute – zwei Frauen, ein Mann – in der Aare in Not. Die jungen Frauen wurden gerettet, der junge Mann wird noch immer vermisst, vermutlich ist er ertrunken.

Selbst die «Frankfurter Allgemeine» stellte fest: «Der Berner lässt im Sommer nichts auf seinen Aareschwumm kommen», doch – und das ist kein generisches Maskulinum – Nichtberner und -schweizer unterschätzen die Strömung mitunter, geraten in Lebensgefahr oder kommen sogar um. Den Behörden ist das Risiko bekannt, man warnt, und – wie der «Bund» schon 2017 schrieb – für «junge Männer, die sich selbst überschätzen, wird derzeit ein Handy-Game entwickelt».

Ob der verunglückte junge Mann dieses Game kannte, weiss ich nicht, zumal es heisst, er sei ein sehr guter Schwimmer gewesen. Aber weil er der Sohn des Gouverneurs von Westjava war, wirft sein tragisches Verschwinden in Indonesien buchstäblich hohe Wellen – was hierzulande wohl ähnlich wäre, ertränke der Sohn eines Bundesrats in indonesischen Gewässern.

Aber die Aare trifft es jetzt hart: Auf Google Maps bekommt sie von vielen nur noch einen Stern, sie sei ein schlechter, ein unsicherer Fluss, heisst es; man erhebt die Forderung, sie komplett zu sperren, der trauernde Vater bat die Behörden, am Aareufer mehr Überwachungskameras zu installieren, ein User hat gar Krokodile entdeckt. Der Fluss sei anders als indonesische Flüsse, werden die Leser:innen aufgeklärt, er entspringe nicht einer Quelle, sondern «geschmolzenem Eisschnee», sein Wasser sei so kalt, als komme es aus dem Kühlschrank.

Bis sich wieder indonesische Gäste dazu entschliessen, dere schöne, schöne grüene Aare naa z gaa, dürfte es eine Weile dauern. Dabei ist das ja wirklich ungefährlich. 

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