Was Weiter geschah : An Katzenhaaren herbeigezogen

Nr.  27 –

Anfang Mai 2021 berichtete die WOZ in einer Korecherche mit der «Rundschau» und RTS über Übergriffe von Sicherheitsangestellten auf Asylsuchende in den Bundesasylzentren in Altstätten SG, Boudry NE und im Bässlergut in Basel-Stadt. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) versuchte, die Recherchen zu verzögern und mit einer medialen Gegenkampagne kurz vor der Veröffentlichung zu diskreditieren. Angeblich hätten Linksradikale eine im Bässlergut beschäftigte SEM-Mitarbeiterin brutal bedroht. «Linker Mob macht Jagd auf Asyl-Betreuerin», schrieb der «Blick» daraufhin. Und weiter: «Privatadresse veröffentlicht, Katze gequält, Bremsventil manipuliert».

Und nun, ein gutes Jahr später? Derweil eine externe Untersuchung die Tathergänge, wie sie WOZ und SRF rekonstruiert hatten, im vergangenen Oktober bestätigte und in drei Fällen rechtswidrige Gewaltanwendung feststellte, verlieren die Schuldzuweisungen des SEM zunehmend an Glaubwürdigkeit. Zu diesem Schluss kommt ein letzte Woche veröffentlichter Artikel der «Republik».

Polizeidokumente würden erhebliche Zweifel an den Darstellungen der Bundesbehörde wecken. So an der Behauptung, dass der Katze der besagten Mitarbeiterin «bei lebendigem Leib teilweise das Fell abgezogen» worden sei. Dazu hielt die Kantonspolizei Solothurn in einem Bericht fest: «Damit man sie (die Katze) operieren konnte, musste man natürlich vorher die entsprechende Stelle an ihrem Körper rasieren. Der Tierärztin und der Familie war jedoch bekannt, dass dies erst in der Klinik passiert und nicht durch die unbekannte Täterschaft zugefügt wurde.» Grund für die OP war eine von einem Streifzug mitgebrachte Schwanzverletzung ungeklärter Ursache.

Auf die Frage der «Republik», wie das SEM dazu gekommen sei, derart an den Haaren herbeigezogene Geschichten zu verbreiten, schwieg das SEM. Im März wurde das Strafverfahren der Bundesanwaltschaft gegen die Hauptverdächtige eingestellt und das Verfahren gegen unbekannt sistiert. 

Nachtrag zu «Asylzentren: Die Rapporte der Gewalt» in WOZ Nr. 18/2021 und «Asylzentren: Grundsatzkritik am System» in WOZ Nr. 42/2021