Was weiter geschah: Neues von Nicoletta della Valle
Hat sie ihr Mandat aufgegeben, oder will Nicoletta della Valle nur nicht mehr öffentlich mit der israelischen Champel Capital in Verbindung gebracht werden? Die Frage stellt sich, nachdem der Name der früheren Fedpol-Chefin letzte Woche von der Website von Champel Capital verschwunden ist. Della Valles Engagement für die Investmentgruppe hat in den letzten Wochen für medialen Wirbel gesorgt. Das Unternehmen sammelt derzeit hundert Millionen US-Dollar für einen neuen Fonds, mit dem es in die israelische Rüstungsindustrie investieren will. Die Investmentgruppe schlägt damit direkt Profit aus dem Krieg in Gaza, in dem Israels Waffenindustrie neue Waffen und Überwachungstechnologie erprobt hat.
Die WOZ hat in einer Recherche aufgezeigt, dass Amir Weitmann, Kogründer von Champel Capital, ein rechter Hardliner ist: Der Bewohner einer illegalen Siedlung in Ostjerusalem wirbt offensiv für die Vertreibung der Palästinenser:innen aus Gaza und verbreitet menschenverachtende Hetze. Weitmann hat etwa eigens einen Plan mit konkreten Vorschlägen zur «Umsiedlung» der Palästinenser:innen aus Gaza nach Ägypten veröffentlicht. Auf Social Media ruft der Investor immer wieder dazu auf, Gaza «plattzumachen», und bezeichnet dessen gesamte Bevölkerung als «Abschaum».
Nun also scheint della Valle kalte Füsse bekommen zu haben. Oder ist es doch echte Einsicht? Fragen beantwortet die ehemalige Beamtin, die auch zur WOZ-Recherche keine Stellung nehmen wollte, weiterhin nicht. Auffällig ist: Der Rückzug kommt just vor dem Start eines weiteren Projekts. Kommenden Samstag eröffnet della Valle in Bern ein Café mit sozialem Angebot.
Nachtrag zum Artikel «Kriegstechnologie in Gaza: Im Business vereint» in WOZ Nr. 40/25.