Was weiter geschah: Baud meldet sich doch noch

Nr. 3 –

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Gerne hätte die WOZ letzte Woche mit Jacques Baud gesprochen. Der Schweizer Exgeheimdienstler wurde vom Rat der EU sanktioniert, weil er prorussische Propaganda verbreite. Seither inszeniert sich der Siebzigjährige als Opfer von Zensur, seine Unterstützer:innen mahnen unter dem Slogan «Free Jacques Baud» die Meinungsfreiheit an. Die EU-Massnahme entfaltet offenkundig eine kontraproduktive Wirkung. Seit der Sanktionierung geniesst Baud mediale Aufmerksamkeit wie nie zuvor. Seine Meinung möchte er allerdings bloss unter seinesgleichen verbreitet sehen. Medien wie der «Weltwoche», die einen Putin-nahen Kurs fahren, gibt Baud stundenlange Interviews. Auf eine Gesprächsanfrage der WOZ meldete er sich letzte Woche hingegen nicht zurück, wie er zuvor schon die NZZ oder den «SonntagsBlick» ins Leere hatte laufen lassen.

Selbstverständlich ist das Bauds gutes Recht, er muss sich dann aber auch Artikel mit kritischen Fragen zu seiner publizistischen Tätigkeit gefallen lassen. Dass er solchen lieber aus dem Weg geht, zeigte er nach Erscheinen der letzten WOZ-Ausgabe. Plötzlich meldete er sich nämlich doch noch bei unserer Zeitung. Er gebe der WOZ keine Auskunft, weil sie die Münchner Charta mit berufsethischen journalistischen Grundsätzen nicht berücksichtige. Auf den freundlichen Hinweis, dass wir diese Prinzipien selbstverständlich respektierten, schrieb Baud: «Ihr Artikel über mich basiert hauptsächlich auf Informationen, die Sie nicht überprüft haben, auf Informationen, die Sie manipuliert und andere absichtlich gekürzt haben, um Ihr Publikum zu manipulieren.» Selbstverständlich gilt die Freiheit auch für solche Meinungen.

Nachtrag zum Artikel «Die Kirsche auf der Torte» in WOZ Nrn. 1 + 2 / 26.