Leser:innenbriefe
Megafon der Rechten?
«SRG-Halbierung: Das fatale Schweigen», WOZ Nr. 3/26
Leider war festzustellen, auch und gerade im «Echo der Zeit», dass auf jedes linke mindestens fünf rechte Stühlchen folgten. Zeitweise herrschte der Eindruck vor, die SRG sei ein Megafon der Rechten. Naturgemäss waren diese Stühlchen immer schlechter gezimmert. Meines Wissens gab es dazu wenig Kritik. Dieses Schweigen resultiert aus derselben Angst, die die SRG vor sich hertreibt. Letztlich beschädigt sie den Ruf des sogenannten unabhängigen, qualitätsbewussten Journalismus insgesamt.
Irma Birchler, per E-Mail
Ein Scherbenhaufen
«Katastrophe von Crans-Montana», WOZ Nrn. 1 + 2 / 26
Der Titel «Systemversagen» bringt es auf den Punkt: Die wichtigsten Systeme haben – mit Ausnahme der Rettungskräfte und der Spitäler – versagt und tun es weiterhin. Das gilt auch für den strafprozessualen Umgang mit dieser apokalyptischen Katastrophe. Die Walliser Staatsanwaltschaft glänzt mit Unterlassungen, die schlicht nicht nachvollziehbar sind.
Nachdem die Betreiber der Bar schon in den frühen Morgenstunden des 1. Januar offenbar Beweismaterial haben verschwinden lassen, hätte die Generalstaatsanwältin unverzüglich zur Festnahme des Betreiberehepaares schreiten müssen. Das wäre selbst ohne diese Verdunkelungshandlung notwendig gewesen. Denn dass die Eheleute daran gehindert werden sollen, sich abzusprechen oder Beweismittel beiseitezuschaffen, ist ein klassischer Haftgrund (Kollusionsgefahr) und führt regelmässig zu Untersuchungshaft. Weil sie Ausländer sind, besteht angesichts des Ausmasses der Katastrophe auch Fluchtgefahr. Dringend tatverdächtig sind sie ohnehin. Handys, Tablets und Computer hätten beschlagnahmt werden müssen. Nichts dergleichen ist geschehen.
Wer das «zu juristisch» findet, sei daran erinnert, dass die Schweiz mit einer im Kanton Wallis exemplarisch korrekt geführten Strafuntersuchung Vertrauen hätte zurückgewinnen können, zuallererst bei den Opfern und ihren Angehörigen. Aber auch im In- und Ausland. Diese Chance ist bereits vertan und beschädigt das Ansehen der Schweiz weiter. Ausländische Staatsanwaltschaften haben eigene Ermittlungen eingeleitet. Das Misstrauensvotum ist offensichtlich – und berechtigt. Im Inland regt sich wenig Widerstand gegen diese Strafuntersuchung, die bisher mehr verschleiert als klärt. Der Justizminister schweigt. Kritik wird der politischen Rechten überlassen. Ein Scherbenhaufen.
Jürg Oskar Luginbühl, Strafverteidiger, Adliswil
Einseitiger Diskurs
«Katastrophe von Crans-Montana», WOZ Nrn. 1 + 2 / 26, und «Auf allen Kanälen: Tempo und Trauer», WOZ Nr. 3/26
Zu Recht wird in der «Betrachtung der Schweizer Berichterstattung über Crans-Montana» ein apolitisches Terrain festgestellt, «als wolle man sich bloss nicht auf politisches, analytisches Terrain begeben». In der WOZ wurde der an sich gute humanitäre Einsatz von israelischen Forensikern als unpolitisch motiviert und als rein humanitär dargestellt. Der israelische Einsatz wurde dabei in den Rahmen des schrecklichen Massakers vom 7. Oktober 2023 gestellt.
Letzteres bedient für mich einseitig den israelischen staatlichen Opferdiskurs, während die systematischen Bombardierungen und das Verbrennen von Zehntausenden ungeschützten Zivilpersonen – von Säuglingen bis zu alten Menschen – in Gaza ausgeblendet bleiben. Die als selbstlos dargestellte israelische Hilfe wird nicht als möglicherweise politisch motiviert hinterfragt. Um das öffentliche Bild zu beschönigen, während Israel Kriegsverbrechen in Gaza und Pogrome in der besetzten Westbank und in Jerusalem begeht. Ich frage mich, ob die WOZ genügend politisch und analytisch unterwegs ist. Ob die WOZ bereit ist, einseitige israelische Opferdiskurse zu hinterfragen, anstatt sie zu verbreiten.
Guy Bollag, Zürich