Elon Musk: Noch nicht völlig losgelöst

Nr. 6 –

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Es liegt im Naturell dieses Mannes, des reichsten der Welt, fabelhafte Versprechen zu machen. Stets sollen seine nächsten Innovationen nur knapp hinter dem Horizont des derzeit Machbaren liegen. Dass in der Vergangenheit ein Grossteil der Versprechen von Elon Musk uneingelöst blieben, scheint Fans und Investor:innen auf der ganzen Welt wenig zu stören; solange man sich gegenseitig darauf einigt, Musks Märchen zu glauben, baut man sich daraus ein Stück Realität auf dem Kapitalmarkt.

Im Wissen um deren Halbwertszeit offerierte Musk am Montag nun das nächste Upgrade seiner Zukunftserzählung: Seinen Raumfahrtkonzern SpaceX will er mit seinem Tech- und KI-Unternehmen xAI fusionieren – um dereinst Rechenzentren im All zu bauen, die viel effizienter als solche auf dem Erdboden funktionieren sollen, solarbetrieben und praktischerweise ohne Kühlwasser. Über den Wolken also, völlig losgelöst von irdischen Gesetzmässigkeiten, sollen Musks entgrenzte Visionen weitergedeihen.

Unten auf dem Planeten Erde gab es für Musk in dieser Woche aber gleichwohl eine Art Realitätscheck. Am Dienstag wurden in Paris die Büros von X durchsucht, jener Social-Media-Plattform, die Musk im Herbst 2022 noch als Twitter gekauft und anschliessend in einen Moloch der rechten Meinungsbildung verwandelt hat. Und das alles unter dem Banner angeblicher Meinungsfreiheit.

Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt schon länger gegen die Firma: wegen der Manipulierung der Algorithmen zugunsten rechtsextremer Propaganda sowie wegen des auf X eingebetteten KI-Assistenten Grok, der sich zur Erstellung sexualisierter Darstellungen von Menschen, auch Kindern, ohne deren Wissen und Zustimmung nutzen lässt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Musk und die ehemalige X-CEO Linda Yaccarino im April zur Anhörung geladen.

Auch die EU-Kommission und die Datenschutzbehörde Grossbritanniens haben zuletzt Ermittlungen gegen X angekündigt. Es ist ein ungemein erfreuliches Signal, dass Musks Unternehmenskonstrukte zumindest in Europa noch nicht gänzlich im juristisch luftleeren Raum operieren.