Film: Blutige Alternativlosigkeit

Nr. 6 –

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Filmstill aus «No Other Choice»: eine Person sitzt vor einem Laptop und grübelt
«No Other Choice». Regie und Drehbuch: Park Chan-wook. Südkorea 2025. Jetzt im Kino.

Dass der neue Film von Park Chan-wook («Oldboy») nicht wirklich gut enden kann, schmettert uns gleich die augenzwinkernde Exposition entgegen. Die Farben leuchten fast schon surreal, während der Kadermann Man-soo (Lee Byung-hun) und seine Frau Mi-ri (Son Yejin) im Garten ihres Hauses grillieren, umgeben von ihren beiden Kindern und zwei Golden Retrievern: eine ins Absurde verzerrte Familienidylle, der die supertalentierte Tochter mit ihrer Interpretation von Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 am Cello bereits hier einen dramatischen Drall gibt.

Mit der Idylle ist schnell Schluss. Die US-amerikanischen Investoren werfen Man-soo aus Spargründen aus seiner über alles geliebten Papierfabrik raus: «We have no other choice!»; was dann zum Mantra des Films wird. Im Sparzwang wird die Suppe nun ohne Fleischeinlage gekocht, ein Auto verkauft, die Hunde werden weg- und das Elternhaus zum Verkauf freigegeben. Ab da meint auch Man-soo, wie alle Männer in diesem Film, keine andere Wahl zu haben. Er inszeniert eine erfundene Papierfabrik, die nach Arbeitskräften sucht – und bringt dann in einem systematischen Feldzug diejenigen Bewerber zur Strecke, die bei real existierenden Firmen seine Konkurrenten sein könnten.

Mit der grossen Kunstfertigkeit, die zuletzt auch seinen Neo-Noir «Decision to Leave» auszeichnete, mit assoziativer Montage und surrealen Einschüben inszeniert der koreanische Regisseur eine produktiv mäandernde Satire auf die gegenwärtige koreanische Gesellschaft: mal zum Schreien komisch, mal knallhart und blutig, immer doppelbödig. «No Other Choice» ist eine absurde Allegorie auf gekränkte Männlichkeit und ein beissender Kommentar auf die Folgen des Turbokapitalismus – die oft bemühten Vergleiche zu der etwas anders gelagerten, schwarzhumorigen Klassenparabel «Parasite» von Landsmann Bong Joon-ho liegen nahe. Das Finale könnte den transhumanistischen Horror von künstlicher Intelligenz nicht treffender auf die Leinwand bringen und ist, wie der gesamte Film: bitter und saulustig.