Embargo gegen Kuba: Es bleiben nur noch Stille und Müll

Nr. 9 –

Die USA blockieren Öllieferungen nach Kuba. Die Auswirkungen auf die Grundversorgung sind dramatisch. Der Karibikinsel droht der Kollaps.

Diesen Artikel hören (5:43)
-15
+15
-15
/
+15
Müllberge auf einer Strasse in Havanna
Weil der Diesel für die Müllabfuhr fehlt, häuft sich auf den Strassen von Havanna der Abfall. Foto: Norlys Pérez, Reuters

Als «ausserordentliche Bedrohung» hatte US-Präsident Donald Trump Kuba Ende Januar bezeichnet – und allen Ländern Strafzölle angedroht, die die Karibikinsel mit Öl versorgen. Mexiko stoppte daraufhin seine Öllieferungen. Bereits zuvor hatten die USA mit Überfällen auf venezolanische Tanker und der Entführung von Staatspräsident Nicolás Maduro die Ölversorgung durch Venezuela gekappt. Nach dem Urteil des US-Verfassungsgerichts, das die von Präsident Trump verhängten Zölle vergangene Woche für unzulässig erklärte, ist noch unklar, ob die Ölblockade in der jetzigen Form weitergehen wird. Oder ob die Trump-Regierung sie gar mit militärischen Mitteln gegenüber Mexiko durchsetzen will.

Eine Uno-Kommission hatte in der Blockade bereits Mitte Februar eine «ernste Verletzung des internationalen Rechts» gesehen und von einer drohenden «humanitären Krise» auf Kuba gesprochen. Tatsächlich wirkt sich der Treibstoffmangel längst in allen Bereichen aus. Seit Anfang Januar, als das letzte Mal ein mit 86 000 Barrel beladener Tanker anlandete, ist kein Öl mehr auf die Insel gelangt. Dementsprechend katastrophal ist dort die Lage. Schon seit Jahren leben die Kubaner:innen mit täglichen Stromausfällen und extremem Mangel. Nun aber drohen die Grund- und die Gesundheitsversorgung zu kollabieren.

Da die kubanischen Flughäfen kein Kerosin mehr bereitstellen können, haben die meisten internationalen Fluglinien ihre Verbindungen gestrichen. Ohne Diesel können keine Felder bewirtschaftet und keine Lebensmittel in die Städte transportiert werden. Und ohne den Tourismus, der schon mit der Coronapandemie stark eingebrochen war, kann das Land keine Devisen mehr erwirtschaften. Zudem bricht die Lebensmittelversorgung zusammen.

Das soziale Leben leidet

Trump feierte die Wirkung seiner Blockade diese Woche mit den Worten: «Kuba ist eine gescheiterte Nation. Sie haben nicht einmal mehr genug Treibstoff, um Flugzeuge starten zu lassen. Sie haben kein Öl, kein Geld, gar nichts.» Aussenminister Marco Rubio sei mit der kubanischen Regierung am Verhandeln, und diese solle unbedingt einen «Deal» schliessen, so Trump. Worin dieser bestehen könnte, liess er offen.

In staatlichen kubanischen Medien wird überraschend offen über die Lage berichtet. Die Website «Cubadebate» etwa trägt Stimmen aus der Bevölkerung zusammen. Ein Mann klagt, dass mit den Stromausfällen auch das Sozialleben zerstört worden sei. «Früher haben wir bis spätabends mit Licht und Musik Ball gespielt. Jetzt bleiben nur noch Stille und Müll.» Der Kollaps der Abfallentsorgung wird von vielen Kubaner:innen als besonders gravierend beschrieben. Aufgrund fehlender Ersatzteile für Fahrzeuge haben viele Städte schon lange ein Müllproblem. Jetzt aber wird überhaupt nicht mehr entsorgt. Da der Abfall oft auf der Strasse angezündet wird, kommt es zu einer enormen Luftverschmutzung, was für Asthmatiker:innen lebensbedrohlich sei, so staatliche Medien. Verschärft werde die Lage auch dadurch, dass wegen des Mangels an Propangas vielerorts mit Holz gekocht werden müsse.

Gleichzeitig galoppiert die Inflation. Laut Anwohner:innen kostet die Fahrt durch den wenige Hundert Meter langen Tunnel, der die östlichen Vororte Havannas mit der Hauptstadt verbindet, mittlerweile 500 Pesos – rund 16 Franken, etwa so viel, wie ein:e Rentner:in pro Woche zur Verfügung hat. Dazu kommt die rasante Preissteigerung bei Lebensmitteln.

Ausbau der Sonnenenergie

Fast schon verzweifelt versucht die kubanische Regierung, die Krise mit erneuerbaren Energien aufzufangen. Die Zahl von E-Motorrädern ist dank staatlicher Importregelungen schon in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Jetzt setzt die Regierung auf die Errichtung grosser Solarparks. Offiziellen Quellen zufolge wurden diesen Monat jeweils über Mittag erstmals 830 Megawatt mit Solarenergie produziert – was einem Viertel des kubanischen Peak-Strombedarfs entspricht. Insgesamt ist der Anteil der Sonnenenergie an der Stromversorgung im vergangenen Jahr von fünf auf zwanzig Prozent gestiegen. Aufgrund der starken Produktionsschwankungen bei der Solarproduktion ist das für eine verlässliche Energieversorgung jedoch völlig ungenügend.

Schon seit Jahren befindet sich Kuba in einem Prozess rasanter Dekarbonisierung. Während das Land 2008, nicht zuletzt dank grosszügiger Preisnachlässe Venezuelas, etwa dreissig Millionen Barrel Öl importiert hatte, waren es 2025 nur noch vierzehn Millionen. Dieses Jahr wird es ein Bruchteil davon sein. Was sich ökologisch vernünftig anhört, birgt in dieser unkontrollierten Form für die Bevölkerung existenzielle Gefahren.

Immerhin gibt es inzwischen erste Zeichen internationaler Solidarität. Nach Mexiko haben auch die Regierungen Spaniens und Kanadas humanitäre Hilfe angekündigt. Und ein internationales Bündnis mit dem Namen «Nuestra América Convoy to Cuba» ruft für März zu einer «Flotilla» auf, die die Blockade der Insel symbolisch durchbrechen will. Klimaaktivistin Greta Thunberg schloss sich dem Aufruf mit den Worten an: «Die Vereinigten Staaten begehen in diesem Moment einen brutalen Akt kollektiver Bestrafung gegen das kubanische Volk.»