Krankenkassen : Der ewige Zirkus

Nr. 12 –

Einmal mehr erklingt die alte Leier. Die Ausgaben für die Krankenkasse steigen, es folgen Aufregung und Parteiparolen. Meist geht es um wachsende Prämien, diesmal ist es die Mindestfranchise, die ab 2029 von 300 auf 400 Franken erhöht werden soll.

Am Freitag hat der Bundesrat die Vorlage, die auf einen Vorstoss der SVP-Ständerätin Esther Friedli aus dem Herbst 2024 zurückgeht, in die Vernehmlassung geschickt. Der wichtigste Punkt: Die Franchise soll künftig automatisch an die Kostenentwicklung in der Grundversicherung angepasst werden. Der Schritt von 400 auf 500 Franken würde gemäss Berechnungen des Bundes bereits 2034 folgen.

Eine höhere Kostenbeteiligung soll die Versicherten dazu bewegen, sich zweimal zu überlegen, ob sie wirklich zum Arzt müssen. Laut Bundesamt für Gesundheit könnte die Massnahme die Kosten der Grundversicherung um knapp 300 Millionen Franken senken, was einer Prämienreduktion von rund 0,8 Prozent entspräche. Nun lässt sich darüber streiten, ob 100 Franken mehr pro Jahr zumutbar sind. Aber das ist nicht der Punkt. Die gesundheitspolitische Debatte dreht sich seit Jahren im Kreis. Eine höhere Franchise soll die Menschen davon abhalten, grundlos zum Arzt zu gehen, gleichzeitig schafft das System Anreize, gegen Jahresende noch möglichst viele Termine zu vereinbaren, um die Franchise «auszuschöpfen». Warum tun wir uns diesen Zirkus überhaupt an?

Die Schweiz liegt im jüngsten World Index of Healthcare Innovation, der die Gesundheitsversorgung in einkommensstarken Ländern vergleicht, zwar auf dem ersten Platz. Doch die nächsten drei Länder auf den Spitzenpositionen finanzieren ihre Gesundheitssysteme ganz oder teilweise über einkommensabhängige Beiträge. Zugleich hat die Schweiz nach den USA (Rang 7) das zweitteuerste Gesundheitssystem der Welt.

Dennoch hält die Schweiz eisern an ihrem Kopfprämienmodell fest, als wäre es ein nationales Kulturgut – wobei diese Sturheit eine gewisse Tradition hat. Bei der Elternzeit etwa machen wir im europäischen Vergleich bis heute eine armselige Figur. Und wie war das noch mal mit dem Frauenstimmrecht? EK