13.10.2016

Ankunft in der Burg

Von Noëmi Landolt

Die «Burg» – das Basislager von Sea-Watch

Donnerstag, 13. Oktober, 11.39 Uhr

Noch ist alles gemächlich. «Geniesst es», sagen die, die schon einmal mit Sea-Watch im Einsatz waren. «Das wird sich schnell genug ändern.» In zwei, drei Tagen geht es los. Dann werde ich die Sea-Watch-Crew auf ihrer 13. Fahrt dieses Jahres auf dem Mittelmeer begleiten. Für zwei Wochen werden wir auf dem Schiff Sea-Watch 2 zwischen Malta und den libyschen Hoheitsgewässern Ausschau halten nach Flüchtlingsbooten. Sechzehn Leute werden an Bord sein: Schiffsleute, Maschinisten, MedizinerInnen und auch drei JournalistInnen. Eine davon ich.

Wie sieht der Alltag aus auf der «Sea-Watch 2»? Wie evakuiert man ein überfülltes Flüchtlingsboot? Wer sind diese Leute, die sich der zivilen Seenotrettung verschrieben haben? Wie begegnen sich AktivistInnen und Geflüchtete auf hoher See? Davon handelt dieses Logbuch.

Gestern Abend Ankunft auf Malta. Das Flugzeug voll, Reisende mit roten Pässen, aufgekratzte Stimmung, man wünscht sich schönen Urlaub. Vom Flughafen ins «Camp» gefahren. Das «Camp» ist eine alte Burg mit Blick auf den Hafen von Birgu, das Basislager der Sea-Watch. Während die Crew Nummer 12 noch auf dem Mittelmeer unterwegs ist, kümmert sich die Landcrew, bestehend aus zwei bis drei Personen, um Logistik, Materialnachschub und werkelt am Fischkutter Sea-Watch 1 rum, der zurzeit im Hafen liegt. Alle zwei Wochen ist Crewwechsel.

Als ich in der Burg ankomme, ist die Hälfte der Crew Nummer 13, mit der ich mitfahren werde, schon da. Die meisten aus Deutschland, die meisten zum ersten Mal bei einem Sea-Watch-Einsatz dabei. Einige haben überhaupt keine Schiffserfahrung. Landratten wie ich. Es gibt gleich Abendessen. Nachher Bier auf der Terrasse, mit Aussicht auf Segelschiffe, Burgen, Kirchen, Sternschnuppen. In der Nacht von Moskitos zerfressen. Heute mit Kopfschmerzen aufgewacht.

Um 16 Uhr wird die «Sea-Watch 2» zurück im Hafen erwartet. Bis dahin Freizeit. Mission: Adapter für Computerkabel finden. Oder Erdung absägen. Vermutlich eher Letzteres.