Fake me

Le Monde diplomatique –

Die Persönlichkeit im Zeitalter ihrer virtuellen Reproduzierbarkeit

In Fjodor Dostojewskis Roman „Der Doppelgänger“ wird das Leben des Protagonisten Jakow Petrowitsch Goljadkin ruiniert, als ein Doppelgänger auftaucht, der ihm aber nur äußerlich ähnelt. Nach und nach spannt der neue, deutlich sympathischere Goljadkin dem älteren die Freunde aus, ersetzt diesen am Arbeitsplatz und ist überhaupt viel besser und talentierter als das Original. Jakow versucht sein Leben zurückzuerobern, doch stößt er dabei immer wieder auf ein unüberwindliches Hindernis: Sein Doppelgänger ist einfach beliebter. Der Roman endet damit, dass Jakow wahnsinnig wird.1

Vor einigen Monaten kontaktierte mich ein Dichter und fragte, ob mein Instagram-Account gehackt worden sei. Bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass ich einen habe. Irgendjemand hatte auf Instagram all meine banalen Twitter-Beiträge repostet, etwa über Seegurken, die bei Gefahr ihre Eingeweide herausschleudern, oder die Ähnlichkeit von Gary Oldman und George Saunders – und das mit erstaunlich großem Erfolg.

Um diesen Artikel zu lesen, haben Sie drei Möglichkeiten:

Jetzt die WOZ abonnieren Login (für Abonnent:innen) App laden und Einzelausgabe kaufen