Poker um Grönland
Die überdimensionierte geopolitische Bedeutung, die derzeit Grönland beigemessen wird, ist wohl maßgeblich auf die Weltkarte zurückzuführen, die Gerhard Mercator 1569 entwarf. Für seine zweidimensionale Darstellung des Erdballs wählte der flämische Geograf und Mathematiker die sogenannte Zylinderprojektion. Diese ist aber nicht flächentreu, speziell was die Polarregionen betrifft, die sozusagen ausgewalzt erscheinen. Auch auf den meisten heute üblichen Weltkarten ist Grönland flächenmäßig so groß wie Afrika, obwohl der Kontinent 14-mal größer ist als die Insel, die als autonome Region zu Dänemark gehört.
Auf einer ähnlich verzerrten Optik beruhen offenbar auch die Fantasievorstellungen von den militärischen, maritimen und kommerziellen Potenzialen Grönlands, das heute noch zu mehr als 80 Prozent unter einer Eisdecke liegt und nur 57 000 Einwohner hat.