Vermisstensuche in Syrien: Vom Leid, das Assad hinterlässt
160 000 Menschen gelten in Syrien als verschwunden. Nach dem Sturz des Regimes hofften ihre Familien auf Klarheit – stattdessen wachsen Wut und Ungeduld.
Wer Gott inmitten der Wüste zwischen Damaskus und Homs nahe sein will, braucht einen langen Atem. Rund 350 Stufen aus hellem Kalkstein führen hinauf zum Kloster Mar Musa al-Habaschi, das auf einem Felsvorsprung über der kargen Landschaft thront. Oben auf der Terrasse lässt Jihad Youssef seinen Blick über das Tal schweifen. Vor dreissig Jahren, erzählt der heutige Abt, habe er hier bei einem Besuch in den alten Gemäuern unverhofft seine Bestimmung gefunden – und sein Sportstudium kurzerhand für eine Ausbildung zum Mönch aufgegeben. So «zärtlich, aber kraftvoll» sei die höhere Macht gewesen, die er in Mar Musa gespürt habe.