Anatomie einer Diffamierung
Antwort an meine Kritiker
Seit mehr als zwei Jahren ist meine Tätigkeit als UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete Gegenstand sorgfältig inszenierter, sich zuspitzender Kontroversen. Am 8. Februar etwa warf mir eine Abgeordnete der französischen Nationalversammlung vor, ich hätte Israel als „gemeinsamen Feind der Menschheit“ bezeichnet. Sie berief sich dabei auf eine in niederer Absicht verstümmelte Aussage. Tatsächlich bezogen sich meine Äußerungen einerseits auf die Länder, die Israel bewaffnet haben, und andererseits auf Medien, Algorithmen und soziale Netzwerke, die die genozidale Rhetorik verstärkten.1
Unüberprüft wiederholte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot den Vorwurf kurz danach auf internationaler Bühne: Äußerungen, die ich nie getätigt hatte, verurteilte er als „skandalös und verwerflich“ und kündigte an, Frankreich werde vor dem UN-Menschenrechtsrat meinen Rücktritt fordern. Seine italienischen, deutschen und tschechischen Amtskollegen folgten ihm, ohne ihrerseits den Sachverhalt zu untersuchen. Am 19. Februar schloss sich der französische Ministerpräsident Sébastien Lecornu öffentlich der Rücktrittsforderung an.