Regeln halten die Welt zusammen

Le Monde diplomatique –

Spanien stellt sich strikt gegen den von Israel und den USA begonnenen Krieg. Ende März sperrte das Land sogar seinen Luftraum für US-Flugzeuge, die zu Kampfeinsätzen unterwegs sind. Hier erklärt Spaniens Ministerpräsident, warum er das Recht des Stärkeren ablehnt.

Niemand ändert sein Verhalten, weil ein Papierbündel auf dem Tisch liegt – bis jemand sagt, dass es sich bei dem Papier um Geldscheine handelt. Mit diesem einfachen Beispiel will der Philosoph John Searle, der viel beachtete Analysen über die Funktionsweise von Institutionen verfasst hat, eine tiefere Wahrheit vermitteln: Die Gesellschaft ist in vieler Hinsicht überhaupt nur existent, weil wir uns gemeinschaftlich darauf einigen, dass sie es ist. Ein Strich auf der Landkarte wird zur Grenze. In einem Vertrag festgehaltene Worte werden zu verbindlichen Pflichten. So, wie auch ein Stück Papier zum anerkannten Zahlungsmittel wird.

Geteilte Fiktionen machen das Zusammenleben möglich. Das gilt für das Geld wie für die multilaterale Ordnung und das Völkerrecht, das die Beziehungen zwischen Staaten regelt. Doch viele, die Ersteres nie anzweifeln, würden das im Fall des Völkerrechts glattweg bestreiten. Das hat einen einfachen Grund: Manche Fiktionen setzen der Macht Grenzen. Die regelbasierte Ordnung zu missachten, kann also für einige wenige profitabel sein – während alle anderen dafür zahlen müssen.

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