Michal Hvorecký: «Die politische Diskussion hat meine Familie gestärkt»
Der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecký schlägt Alarm: In seinem Land drohe die Abschaffung der Demokratie. Doch er plädiert auch für proeuropäischen Widerstand. Eine Begegnung in Bratislava.
Wer durch die pittoresken Gässchen der Altstadt Bratislavas streift, vorbei an barocken Palais und hinauf zur Burg, kann die Brücke des Slowakischen Nationalaufstands nicht übersehen: eine mit einer Ufo-förmigen Aussichtsplattform gekrönte Brückenkonstruktion über die Donau. Die über die Brücke führende Strasse schlägt eine verkehrslärmende Schneise durch das Zentrum der slowakischen Hauptstadt – und das im wörtlichen Sinn: So mussten für das sozialistische Bauvorhaben (1967–1972) Teile der Altstadt weichen – gegen den Willen vieler Bürger:innen.
Auch an diesem kalten Tag ist der Lärm von der Strasse unüberhörbar. Michal Hvorecký scheint das nicht zu stören: Die Brücke gibt ihm ein gutes Exempel für die zerstörerische Politik in der sozialistischen Tschechoslowakei, die in der aktuellen autoritären Regierung Robert Ficos eine Fortsetzung finde. Überhaupt hält sich der 49-jährige Schriftsteller und Journalist nicht zurück: Was in seiner Heimatstadt und im ganzen Land passiere, sei unfassbar. Liest man sein neues Sachbuch, «Dissident», eine Sammlung persönlicher Essays zur Situation der Slowakei, will man ihm nur zustimmen.