Der Brief als «Hilfskonstruktion» Ulrike Ulrichs bestechendes neues Buch ist ein Coronaroman, eine Reflexion über Macht und geht den Spuren beinahe vergessener Autorinnen nach.
Mitten in der Coronapandemie und während der Fussballeuropameisterschaft im Sommer 2021 verbringt die Autorin Liane Steffen zwei Monate in Paris. Sie will hier nach einer längeren Schaffenspause an einem neuen Projekt arbeiten, das sich jedoch von Anfang an als tückisch erweist. «Ich habe mit Die Bücher der Mutter begonnen, essayistisch auch, aber vor allem autobiografisch, dieses Buch, in dem ich nun also Ich sage. Und mich meine. Ich hänge darin fest.»
Die ursprüngliche Idee, sich selbst zu jenen Büchern in Beziehung zu setzen, die sie von ihrer früh verstorbenen Mutter geerbt hatte, erscheint Liane bald schon als zu eng. Aus «Die Bücher der Mutter» wird «Die Bücher der Mütter» und schliesslich ein «Autorinnen*Alphabet», das ihr die Freiheit gibt, eine Vielzahl von vergessenen, verkannten, unentdeckten, ignorierten, marginalisierten, widerständigen, queeren Schriftstellerinnen in ihren autobiografischen Essay einzubeziehen.