Literatur : Bayern-Schal als Mordwaffe
Im neuen Roman von Sharon Dodua Otoo wird der Dialog erst möglich, als ein vermeintlicher Wohltäter verstummt.
Vom Schreiben dieser Erzählung sei ihr wiederholt abgeraten worden, lässt die Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo ihre Leser:innen kurz vor dem Erscheinungstermin auf Instagram wissen. Eine afrodeutsche Protagonistin ins Leben zu rufen, die ihren weissen Chef ermordet, dies nicht einmal bereut und sogar eifrig ihr Geständnis ablegen will, war einigen wohl zu viel.
Dabei schreibt sich Otoos knapp 140 Seiten kurzer Roman «So, in etwa, ist es geschehen» in eine Tradition ein: In der deutschsprachigen Literatur wimmelt es vielleicht nicht gerade von weiblichen Figuren, die einen Mord begehen, aber wer sie finden will, findet sie. Man denke an die radikalfeministischen Rächerinnen der siebziger und neunziger Jahre mit ihren spektakulären Mordgerätschaften, erschaffen von Autorinnen wie Karen Duve oder Märta Tikkanen.