Leser:innenbriefe

Nr. 5 –

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Wie wohltuend!

«Essay: Wie gefangen im Innern einer Seifenblase» und «Schlittschuhlaufen: Flow auf Eis», beide WOZ Nr. 3/26

Besten Dank für die beiden anregenden Artikel, die zur Perzeption von emotionaler Harmonie stimulieren, was in diesen turbulenten und energetisch ziemlich negativen Zeiten eine wohltuende Alternative anbietet.

André Thurneysen, Avenches

Gerade lese ich im Onlinemagazin «Geschichte der Gegenwart», dass zum 250. Geburtstag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten im Weissen Haus MMA-Kämpfe stattfinden sollen. Natürlich nicht am 4. Juli, sondern am Geburtstag des Präsidenten. Der Vollkontaktsport Mixed Martial Arts, der Schlag-, Tritt-, Bodenkampf- und Ringtechniken anderer Disziplinen kombiniert, hat – gefördert von der Maga-Bewegung – im letzten Jahrzehnt extremen Zulauf und Beliebtheit bei den extremen Rechten gewonnen.

Wie wohltuend dann der WOZ-Artikel «Flow auf Eis» über das Gleiten auf Eis, das Schlittschuhlaufen, bei dem es nicht auf Kraft und Stärke, sondern auf Eleganz und Können ankommt. Die meisten Sportarten der Gegenwart sind martialisch geprägt. Wie sympathisch eine Bewegungsart, die davon gänzlich abweicht und uns die Schönheit dieser Tätigkeit aufzeigt!

Beat Eberle, Wasterkingen

Jahrmarkt der Eitelkeit

«Weltwirtschaftsforum: Superschurken in Davos», WOZ Nr. 4/26

Alle Jahre wieder tagt der Jahrmarkt der Eitelkeit in der hässlichen Alpenstadt. Nirgends werden die realen Machtverhältnisse so brutal offen zur Schau gestellt. Zu Beginn blieben die Weltwirtschaftsführer unter sich, betrieben ihr Networking und erbauten sich an Klaus Schwabs Geschwurbel über den Spirit of Davos, an dem die Welt genesen sollte. Das öffentliche Interesse an der alten Leier von Deregulierung und Steuersenkungen hielt sich in Grenzen.

Erst als die Grossunternehmer im Zuge von Thatcherism und Reaganomics Staatsführer und Politiker ans Wef zitierten, um ihnen den neoliberalen Tarif durchzugeben, regte sich Widerspruch. Eine aktivistische Bewegung gegen das undemokratische Treiben der Superreichen und Mächtigen entstand, von dem die bewilligte Demonstration fernab der Elite nur ein schwaches Echo ist. Seither wird die Region zwischen Landquart, Davos und Filisur eine Hochsicherheitszone mit Flugverbot und Reiseeinschränkungen.

Die Bündner und Schweizer Steuerzahler müssen die Dutzenden Millionen für die Luftraumüberwachung sowie die Polizei- und Armeeeinsätze berappen. Selbstverständlich reisen die erlesenen Teilnehmer als CO₂-Schleudern per Privatjet und Helikopter von München her an. Dass die Hotelpreise und Wohnungsmieten bei diesem Andrang von Presseleuten und Bodyguards durch die Decke gehen, ist da nur noch eine Fussnote. Die Davoser selbst fühlen sich gebauchpinselt und wollen diesen Promizirkus nicht missen, wie sie per Volksabstimmung bestätigt haben.

Übrigens: Im Kunsthaus Zürich ist die treffende Installation von Hirschhorn über das Wef-Davos zu sehen.

Max Hilfiker, Zürich

Bothsideism?

«Nahost: Ein Wendepunkt in Syrien» und «Eskalation in Syrien: Angriff auf Kurd:innen», beide WOZ Nr. 4/26

Der Artikel «Wendepunkt in Syrien» äussert sich zu den aktuellen Angriffen auf die kurdische Selbstverwaltung in Syrien, ohne Rojava und dessen überregionale politische Bedeutung zu erwähnen. Das Ausmass an Gewalt des neuen Regimes gegen Minderheiten kommt nur in einem Nebensatz vor. Stattdessen wird narrativ das neue Regime Ahmed al-Scharaas legitimiert, ungeachtet dessen Verbrechen gegen Frauen und Minderheiten und dessen Geschichte als islamistische Terroreinheit. Dem diametral entgegengesetzt der Leitartikel derselben Ausgabe. Ist das noch naiver Bothsideism oder mangelnde redaktionelle Verantwortung? Frage für Frau, Leben, Freiheit.

Rosen Ferreira, per E-Mail