Stichwahlen in Frankreich : Macrons Projekt ist gescheitert

Nr. 13 –

Es gab ihn schon immer, diesen enormen Kontrast zwischen Paris – wo das wirtschaftliche, kulturelle und politische Herz der Nation am lautesten schlägt – und dem Rest Frankreichs, der immerfort auf die mächtige Stadt der Lichter schaut. Gemeindewahlen galten denn auch lange für nationale Stimmungen als nicht repräsentativ. Jetzt, nach der zweiten Runde, suchen trotzdem alle Parteien nach Hoffnungsschimmern für die Präsidentschaftswahlen von 2027. Es stellten sich im Vorfeld der Stichwahlen vom Sonntag viele Fragen: nach den strategischen Bündnissen zwischen linken Parteien. Oder danach, ob der Rassemblement National gar Grossstädte wie Marseille oder Toulon erobern könnte. Jetzt wissen wir: Nein! Immerhin.

Trotzdem haben die Rechtsextremen Grund zur Freude: Im Süden fielen unter anderem Menton, Carcassonne und Carpentras in ihre Hände. Schon feiert Parteichef Jordan Bardella diese Siege als den «grössten Durchbruch unserer Geschichte». Allein dies zeigt: Als Kristallkugel für 2027 taugen die Kommunalwahlen kaum. Vielmehr kann jede Partei aus den Ergebnissen das ablesen, was in ihr Narrativ passt: Manuel Bompard, Parteikoordinator der Linkspartei La France insoumise (LFI), etwa spricht von einer «neuen, politischen Generation», die nun in die Gemeinderäte dränge. LFI hat unter anderem die Pariser Vorstädte Saint-Denis und Courneuve gewonnen, deren neue Bürgermeister wegen ihrer schwarzen Hautfarbe sofort massiv rassistisch angegriffen wurden. Und wie steht es nun um die Bündnisse linker Parteien? In Nantes, Toulouse, Clermont-Ferrand, Brest, Lyon, Limoges und Grenoble kamen sie zustande und waren erfolgreich. 69 Prozent der Wähler:innen des 2024 geschmiedeten Bündnisses Neue Volksfront wünschten sich einen solchen Zusammenschluss. Doch andernorts, wie in Paris oder Lille, gewannen Sozialist:innen und Grüne unter Ausschluss von LFI. Anders gesagt: Beziehungsstatus kompliziert!

Feststellen lässt sich ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen: Das politische Zentrum ist so gut wie bedeutungslos geworden, Emmanuel Macrons grosses politisches Projekt, die Rechtsextremen zu schwächen, ist schon heute krachend gescheitert, in Paris und im Rest des Landes.