Sachbuch: Schnapsidee Verlagsgründung
Mit einem «komplett bescheuerten» Verlagsnamen so zu tun, als sei man Verleger, um an unveröffentlichte Manuskripte von interessanten Autor:innen zu gelangen, diese einfach zu lesen und dann mit «freundlicher Absage» zurückzusenden – das war die bierselige Idee von Werner Labisch und Jörg Sundermeier. Im Fall von Dietmar Dath funktionierte die dann aber fast zu gut: 1995 kam es tatsächlich zur eigentlich ja nicht vorgesehenen Veröffentlichung von dessen Debütroman «Cordula killt dich!», das Manuskript gefiel den beiden Lesern einfach zu sehr.
Danach ging es erst wieder 1999 weiter, über eine Anfrage, ob man nicht Comics verlegen wolle – daraus wurde dann verlegerischer Ernst. So schreibt es der 2010 ausgeschiedene Mitgründer Labisch in seinem Vorwort zur neu erschienenen Geschichte des Berliner Verbrecher-Verlags. Das Buch dokumentiert eine drei Dekaden währende Geschichte in einer von allen derzeitigen Mitarbeiter:innen gemeinsam verfassten, chronologisch unterteilten Biografie des Verlags. In diesem publizieren etwa die Schriftstellerinnen Manja Präkels und Bettina Wilpert, seit 2004 gehören Peter O. Chotjewitz’ Werke zum Programm, der Romanzyklus «Das Büro» von J. J. Voskuil wird verlegt, ebenso die Tagebücher von Erich Mühsam sowie eine Werkausgabe von Gisela Elsner.
Die Biografie ist kurzweilig und witzig, verschweigt schwierige Umstände nicht, bleibt aber wertschätzend im Ton auch gegenüber früheren Weggefährt:innen. Sie zeigt das turbulente Innenleben eines linken Verlags, ohne es zu romantisieren: Lange war ein solcher Job nur mit maximaler Selbstausbeutung zu bewerkstelligen. Auch von verlegerischen Fehlentscheidungen sowie juristischen und finanziellen Konflikten ist zu lesen. Besonders wertvoll: Alle in einem Jahr erschienenen Veröffentlichungen werden am Ende des jeweiligen Kapitels aufgeführt – eine echte Fundgrube.