Nr. 13/2005 vom 31.03.2005

«Ich bin zwar knapp bei Kohle, aber...»

Letzte Woche schrieb die WOZ auf der Titelseite: «Wir machen eine gute Zeitung, eine teure - eine, die wir uns nicht mehr leisten können … Wir werden die WOZ retten. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe.» Nachfolgend einige der ersten Reaktionen von LeserInnen.

Stephan Geering, Basel

Liebes WOZ-Kollektiv, ich weiss, es ist das Karma jeder linken Zeitung, immer knapp bei Kohle zu sein. Weil ich die WOZ wirklich schätze, habe ich - obwohl auch bei mir die Kasse nicht gerade überläuft - mehr oder weniger tief ins Portemonnaie gegriffen. Aber verdammi nomol, das muss jetzt aber wieder mindestens zwei Jahre reichen!

Liebe Leute von der WOZ, es darf nicht sein, dass schon wieder eine linke - bald die letzte linke - unabhängige Zeitung eingeht! Wo können wir uns dann im oberflächlichen Einheitsbrei der Medien noch «die andere Information» holen? Bleibt uns bald nur noch das «Echo der Zeit» - das zwar fast immer fundiert, aber halt auch «ausgewogen» ist (sein muss)? Ich weiss, dass ihr euch mit kleinen Löhnen und überlangen Arbeitszeiten zufrieden gebt, und würde euch wünschen, es wäre nicht so. Ich weiss auch, dass ihr nicht auf grosse Inserate, sondern fast nur auf eure Leser zählen könnt. In diesem Sinne bin ich auch bereit, einmal mehr an einer Rettungsaktion mitzumachen, wünsche mir aber, dass ihr nicht bei den Hintergrundberichten und politischen Kommentaren abspeckt. Und: Könntet ihr nicht noch vermehrt spannende Beiträge von aussen hereinholen? Es sollte doch auch für PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen ein Anliegen sein, in der WOZ noch eine Plattform zu haben. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir die Patientin nochmals retten können!

Liebe WOZ, du hast mich aufgerüttelt mit deiner finanziellen Schräglage, und ich warte auf das Detailprogramm. Zu deiner Existenz sagst du in deinem letzten Abschnitt ganz richtig: «Wer leistet Widerstand gegen die ökonomische Ausbeutung und Verelendung weiter Teile der Weltbevölkerung? Wer kämpft journalistisch für mehr Gerechtigkeit?» Ja, du, liebe WOZ, mach das nur tapfer weiter, wir unterstützen dich für diese politischen, ethischen, sozialen, fairen und unabhängigen Bemühungen. Wenn es sein muss mit Extrabeiträgen. Werd dort schlanker, wo dir andere Zeitungen den Job abnehmen und wir die Meinung der WOZ nicht unbedingt brauchen. Vorschlag zum Schlankwerden: nur noch acht Seiten im aktuellen Format: politisch, kurz, pointiert, entlarvend, ehrlich, einmalig! In diesem Sinne hoffe ich auf deine Gesundung.

Ich habe mich vor einiger Zeit nach einem Probeabo gegen die WOZ entschieden: aus puren Zeitgründen. Jetzt möchte ich auf diesen Entscheid zurückkommen. Ich bin zwar längst nicht mit all euren Positionen einverstanden, finde die WOZ aber unglaublich wichtig - neben der NZZ seid ihr mittlerweile das einzige Blatt, das wirklich eigene, zum Teil radikale Meinungen vertritt. Die WOZ darf nicht sterben. Und deshalb möchte ich Einzelmitglied werden und eure Zeitung in Zukunft noch etwas genauer lesen.

Zurzeit scheint noch kein grösserer Geldsegen in Sicht, doch sollte ich demnächst zufällig über einen Packen Geld stolpern, schick ich ihn euch umgehend! Sodass ich auch noch die nächsten paar Jahrzehnte in den Genuss meiner geliebten WOZ komme. Nun ja, viel könnt ihr euch von meinem Briefchen nicht gerade kaufen, aber ich hoffe, dass trotz Geldsorgen und harter Kollektivarbeit inmitten des expandierenden real existierenden Kapitalismus ein kleines Lob euch wenigstens ein kurzes Schmunzeln entlockt.

Ich spiele emsig Lotto. Sollte ich einen erheblichen Betrag gewinnen, rette ich die WOZ sofort. Versprochen.

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