Nr. 13/2005 vom 31.03.2005

Und die InserentInnen?

Das WOZ-Kollektiv

Letzte Woche berichtete die WOZ über ihre dramatische finanzielle Schräglage: Wir leben auf zu grossem Fuss, wir machen eine zu teure Zeitung. Wir müssen abspecken, zweifellos, die Stellenprozente reduzieren, als Kollektivmitglieder selber Geld einschiessen - und wir brauchen Geld, viel Geld: von unseren LeserInnen, die nicht auf eine unabhängige linke Zeitung verzichten möchten.

Aber nichts ist perfekt. Nicht einmal eine lebensbedrohliche Krise. Deshalb - bevor wir nächste Woche genauere Angaben zum Ausmass unserer Verluste und ein Sanierungsprogramm vorlegen - zunächst die zwei guten Nachrichten:

Die 2003 neu konzipierte WOZ hatte bei zwei Gruppen Erfolg: bei den AbonnentInnen und bei den GrossinserentInnen. Die Abonnementszahlen, die in den Jahren zuvor langsam, aber bedrohlich sanken, stiegen konstant. Anfang 2005 erreichten wir einen Rekord: über 13 000 AbonnentInnen. Merci!

Ebenso erfreulich lief es bei den Grossinseraten. Dieses Geschäft hatte bis 2002 in der WOZ praktisch nicht existiert. Das änderte sich, als der Verlag die Strategie wechselte und einen Profi anstellte: den damaligen Anzeigenleiter von «Facts», Kilian Gasser. Die WOZ suchte den Kontakt mit Grossinserenten und Agenturen. Es brauchte Mut, in der WOZ als Erster im grossen Stil zu inserieren. Oder eine Spürnase: Immerhin hatte die WOZ wegen ihrer Seriosität den Spitznamen «die linke NZZ» und über 100000 oft erstaunlich gut verdienende LeserInnen. Der Strategiewechsel und die Geburt der neuen WOZ fielen in die grösste Zeitungskrise der Nachkriegszeit. Nach Börsenbooms und New Economy brach der Inseratemarkt zwischen 2002 und 2003 um 24 Prozent ein. Resultat waren Sparprogramme und Schrumpfungen überall: bei Zeitungen, Zeitschriften und Werbeagenturen. Sie teilten das Schicksal ihrer KundInnen. Und dies noch verschärft, weil in der Krise als Erstes die Werbebudgets gestrichen wurden.

Trotzdem konnte die WOZ 2002 praktisch aus dem Stand mit einer Pionierschar von InserentInnen 80 000 Franken Umsatz machen. Im Jahr 2003 waren es 170 000 und im Jahr darauf 130 000 Franken - der Rückgang von 2004 kam vor allem daher, dass 2003 die Migros die bisher grösste kommerzielle Kampagne der WOZ-Geschichte geschaltet hatte. Übrigens: Der Mann, der den Mediaplan der Migros absegnete, Marketing-Kommunikations-Leiter Beat Mühlemann, wurde im Jahr darauf wegen seines Einfallsreichtums als erster Nichtwerber zum «Werber des Jahres» gewählt.

Das Gute an 2004 war, dass mehr Unternehmen denn je bei uns Inserate schalteten: von Bico bis Swisscom, von Post bis Rivella, von Bluewin und Coop Online bis zu Graubünden, Warner Bros und Denner: In einem Radiointerview dazu befragt, antwortete der Denner-Chef Philippe Gaydoul, gerade deshalb möge er seinen Marketingleiter: Er habe innovative Ideen.

Probleme gab es hingegen im klassischen Geschäft der WOZ, dem Rubriken- und Kleininseratemarkt: Zum Teil wanderten solche Aufträge ins Internet ab, zum anderen Teil hatte unsere klassische Kundschaft - kleine, alternative Unternehmen - dieselben Probleme wie alle andern und reagierte gleich wie die Grossen und wie wir selber: Sie strich das Werbebudget zusammen.

Gute Nachrichten? Ja, weil die Entwicklung bei den AbonnentInnen und bei den GrossinserentInnen der WOZ eigentlich eine Zukunft verspricht. Es ging keineswegs abwärts bei uns, sondern aufwärts. Dafür investierten wir. Und wir investierten zu viel. Die aktuelle Finanzkrise hat uns auf den Boden zurückgeholt. Wir brauchen eine Refinanzierung, um besser, vorsichtiger und effizienter weitermachen zu können. «Gebt uns Geld» schrieben wir letzte Woche. In den ersten drei Werktagen nach dem Aufruf haben unsere LeserInnen schon 28000 Franken auf unser Spendenkonto einbezahlt. Für eine unabhängige linke Zeitung.

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