Nr. 12/2005 vom 24.03.2005

Gebt uns Geld!

Die WOZ als grösste unabhängige linke Zeitung der Schweiz ist in finanzielle Schräglage geraten. Mit dem Ausbau im Herbst 2003 haben wir zwar 1300 zusätzliche AbonnentInnen gewonnen, wir haben uns aber auch übernommen. Und die Inseratekrise holte uns ein. - Beginn einer Überlebenskampagne.

Das WOZ-Kollektiv

Wir bekennen: Wir machen eine gute Zeitung, eine teure - eine, die wir uns so nicht mehr leisten können. Der Relaunch vor zwei Jahren hat geklappt, wir haben zehn Prozent neue AbonnentInnen gewonnen - das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die Zeitung hat wesentlich mehr gekostet, als wir eingenommen haben. Die Inserate gingen zurück, es kam noch eine beträchtliche Nachforderung der Mehrwertsteuer hinzu.

Kleine und grössere Probleme haben sich zu einer ernsthaften Krise zusammengerottet, weshalb die WOZ nun mit einem dramatisch schlechten Rechnungsabschluss 2004 dasteht. Finanziell sind wir aus dem Tritt und müssen das Gleichgewicht wieder finden.

Wir sind wild entschlossen, diese Zeitung am Leben zu erhalten. Und wir sind nicht verschuldet - dank Ihrer Unterstützung. Vor zwei Jahren haben wir von Ihnen eine Kapitalerhöhung von 650 000 Franken erhalten, um die neue WOZ zu machen. Wir lancierten die Kampagne damals nicht ganz freiwillig, bewegten wir uns doch bereits in der Defizitzone. Die Abozahlen sanken - sachte, aber stetig. Deshalb wagten wir die Vorwärtsstrategie und verfolgten folgende Ziele: Die WOZ zu stärken als die relevante linke Stimme im Land. Den LeserInnen mehr Vergnügen zu bereiten und mehr Exemplare zu verkaufen. Wir haben das Layout erneuert, die Zeitung thematisch verbreitert und neue Ressorts wie Wirtschaft, Wissen, Leben eingeführt.

Wir haben die neue WOZ gemacht, doch jetzt ist das Geld aufgebraucht, wir haben alles in die Zeitung investiert - niemand ist mit dem Kässeli auf die Bahamas verschwunden, niemand hat ein üppiges Chefsalär eingestrichen, niemand hat geprasst. Unsere Probleme sind die bekannten Probleme einer linken Zeitung in diesem reichen Land.

«Das Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dieses fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an», schrieb Karl Marx. Theoretisch mag Marx Recht haben.

Die Praxis schert sich aber nicht um die Theorie. Man braucht das Geld nicht anzubeten, um zu wissen, dass es ohne nicht geht. Wir leben im real existierenden Kapitalismus. Also werden wir gewisse Dinge tun müssen, die gewöhnliche Betriebe auch tun. Um ein hässliches Wort zu benutzen: restrukturieren. Aber wir tun es selber. Fast fünfzig kluge Köpfe, die sich überlegen, wie man aus weniger mehr macht. Das wird wehtun, aber es muss sein. Denn wenn die WOZ nicht überlebt, wird es lange Jahre keine nationale, unabhängige Zeitung geben.

Unabhängige Information ist heute ein teures Gut. In den USA laufen auf verschiedenen TV-Sendern Reportagen, die die Bush-Regierung drehen liess - und die Sender finden es nicht einmal seltsam. Unabhängige Information kostet. Fehlt das Geld, degeneriert Journalismus zur Hofberichterstattung. Und das Geld wird überall knapp. Die französische Tageszeitung «Le Monde» stand kurz vor dem Konkurs und hat zwei neue Geldgeber bekommen; einer davon ist der Lagadère-Konzern, ein Flugzeug- und Waffenproduzent (siehe WOZ Nr. 11/05). Bei der «Libération» ist ein Bankier als Investor eingestiegen. «Le Monde diplomatique», der in verschiedenen Sprachen erscheint und jeweils der WOZ beiliegt, kämpft ebenfalls mit ernsten finanziellen Problemen. Der britische Sender BBC gab diese Woche bekannt, dass 1500 Stellen gestrichen werden - mittelfristig stehen 3200 Jobs auf dem Spiel.

In der Schweiz schreitet die Pressekonzentration munter voran. Die «Neue Zürcher Zeitung» und der «Tages-Anzeiger» liefern sich zurzeit im Raum Zürich eine Verdrängungsschlacht. Das Inserategeschäft kränkelt. Das «Media Trend Journal» schreibt zwar «Absturz des Anzeigenvolumens deutlich gebremst», real verzeichneten die grossen Deutschschweizer Zeitungen im letzten Jahr erneut 1,8 Prozent weniger Anzeigen und Stelleninserate als 2003 (im 2003 büssten sie 15 Prozent ein). Die kleineren Deutschschweizer Zeitungen verloren 4,1 Prozent, die Westschweizer 6,5 und die Tessiner gar 8,3 Prozent. Allein beim Gratisblatt «20 Minuten» blüht das Anzeigengeschäft.

Die WOZ konnte anfänglich dem Trend trotzen und legte bei den kommerziellen GrossinserentInnen um 180 000 Franken zu, doch im vergangenen Jahr bekamen auch wir den Rückgang zu spüren. Wir brauchen die Grossinserenten und haben in der Not die Seite drei dieser Ausgabe freigeräumt, um mit Hilfe eines Inserenten ein Zeichen zu setzen.

Es wäre jedoch verwegen, einfach auf die Grossen zu setzen. Genauso angewiesen sind wir auf die kleineren InserentInnen aus unserem engeren Umfeld, deren Zahl leider in den vergangenen Monaten noch markanter zurückgegangen ist.

Die Lage ist ernst, und wir müssen notfallmässig handeln. Erste Sparmassnahmen sind eingeleitet, für das detaillierte Rettungsprogramm brauchen wir noch etwas Zeit. Wir werden Sie laufend informieren. Was wir jetzt schon wissen: Es wird zu harten und schmerzlichen Einschnitten kommen, beim Personal und in der Zeitung selbst. Wir werden aus unseren eigenen, nicht sehr vollen Portemonnaies einiges beisteuern. Und wir werden vor allem unser journalistisches Können, unsere Erfahrung und unser Engagement investieren, um eine schlankere, aber nicht weniger relevante WOZ zu entwerfen. Wir glauben an unsere Zeitung. Und was wird aus der Demokratie, wenn es keine unabhängige Presse mehr gibt? Wer leistet Widerstand gegen die ökonomische Ausbeutung und Verelendung weiter Teile der Weltbevölkerung? Wer kämpft journalistisch für mehr Gerechtigkeit?

Die Grosskonzerne sind es sicher nicht. Wir werden die WOZ retten. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe: als LeserIn, als AbonnentIn, als SpenderIn, als InserentIn.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

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