Nr. 27/2005 vom 07.07.2005

Die Rückkehr der entführten Kinderjockeys

21 pakistanische Kinder, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Kameljockeys arbeiten mussten, sind letzte Woche in der pakistanischen Stadt Lahore angekommen. Endlich wird es für sie wieder ein normales Leben geben. Doch am Flughafen warteten weder Verwandte noch FreundInnen, als sie aus den Arabischen Emiraten zurückkehrten - vielleicht weil sie befürchteten, mit dem Kinderschmuggel in Verbindung gebracht zu werden.

Die Zeit in behelfsmässigen Zelten oder kahlen Räumen bei den Verschlägen für Rennkamele ist für die 21 drei- bis zwölfjährigen Burschen vorbei. Die jungen Kameljockeys verbrachten nach ihrer Ankunft zwei Tage in einer Unterkunft des Child Welfare Protection Bureau (CWPB). Sie spielten, malten und schauten Bilderbücher an. Doch lesen konnten sie die Geschichten nicht, das haben sie nie gelernt. In die Emirate waren sie gelangt, um Kamele zu reiten. Oft waren sie verkauft und aus Pakistan hinausgeschmuggelt worden. Andere scheinen von zuhause weggelaufen und dann gekidnappt worden zu sein.

«Ich kann mich kaum an meine Eltern erinnern», sagt der fünfjährige Hasanein, der als Dreijähriger von einem Paar an den Persischen Golf gebracht wurde. Die beiden täuschten an der Grenze vor, seine Eltern zu sein. Das CWPB versucht nun, die Eltern der Kinder zu finden, notfalls auch per DNA-Test, um zu verhindern, dass sie erneut in falsche Hände geraten.

Seit dem 31. Mai gilt in den Arabischen Emiraten ein Verbot für Kamelrennen mit Kinderjockeys. Seither wurden 170 pakistanische Jungen von Kamelbesitzern an ein Rehabilitationszentrum übergeben. Doch Ansar Burney, der das Zentrum führt, schätzt, dass noch weitere 2000 pakistanische Kinder als Jockeys am Golf sind. Burney versucht seit Jahren, Kinder vom Golf in ihre Heimat zurückzubringen. Schasad ist einer, der bereits zu seinen Eltern im südlichen Pandschab zurückkehren konnte. Er war von einem Onkel an den Golf gebracht worden. Seine Eltern glaubten, er werde in einem Restaurant arbeiten. «Damals war ich sieben Jahre alt», erzählt Schasad. «Man setzte mich auf ein Kamel und schlug mich, als ich mich wehrte, weil ich doch Angst hatte.» Er und fünf weitere Kinder aus Pakistan und Bangladesch erhielten nur eine Mahlzeit pro Tag. Denn je leichter der Reiter, umso schneller ist das Kamel. Viele Kinder erleiden Brüche von den Schlägen und von Stürzen. Manche Kamelrennen endeten gar mit Toten.

Doch während nun Kinder gerettet und zurückgebracht werden, droht anderen immer noch das gleiche Schicksal. Manche Eltern verkaufen ihre Kinder aus Armut, ohne zu wissen, was mit ihnen geschehen wird. Oft glauben sie wohl, dass die Kinder in den Emiraten ausgebildet werden. Auffällig viele der geschmuggelten Kinder stammen aus dem verarmten südlichen Pandschab.

Die pakistanische Polizei wurde angewiesen, an den Flughäfen und Grenzen auf möglichen Kinderschmuggel zu achten, besonders bei Jungen, die mit anderen Erwachsenen als ihren Eltern unterwegs sind. Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef will ein System entwickeln, das vom Verkauf bedrohte Kinder rechtzeitig erkennt. Unicef unterstützt auch das CWPB bei der Rehabilitierung der nach Pakistan zurückgekehrten Kinder, die oft jahrelang in den Emiraten waren. Die Eltern der Kinder müssen ausfindig gemacht werden und der Papierkram erledigt sein, bevor die nächste Gruppe von ehemaligen Kameljockeys nach Pakistan kommt. Und die Jungen brauchen psychologische und oft auch medizinische Unterstützung. Die CWPB-Unterkunft bietet zwar 250 Plätze, doch die reichen kaum, denn eigentlich ist sie für weggelaufene und bettelnde Kinder geschaffen worden. Die Zeit drängt, denn in den nächsten Wochen werden noch viele Kinder nach Pakistan zurückkehren.

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