Nr. 50/2006 vom 14.12.2006

Mit Mirages gegen Aufstände

Offene Militärinterventionen in Afrika sind wieder en vogue.

Von Bernard Schmid, Paris

Am Montag wurde bekannt, dass die seit Oktober andauernde Rebellion in der Zentralafrikanischen Republik niedergeschlagen ist. Tags zuvor hatten die Truppen des Regimes von Präsident François Bozizé die letzte von den Rebellen gehaltene Stadt, Ouadda-Djallé im Nordosten des Landes, eingenommen. Unterstützung erhielten die Regierungstruppen von französischen Kampfpiloten, die am 27. und 30. November auf die Aufständischen schossen.

Schon 1996 und 1997 hatten französische Truppen den damaligen Präsidenten Ange-Félix Patassé gegen Aufständische verteidigt. Die französische Armee bombardierte 1996 sogar Stadtviertel der Hauptstadt Bangui.

Eigentlich hätte damals endgültig Schluss sein sollen mit direkten Interventionen im Herzen Afrikas. Kaum war die neue sozialistische Regierung unter Lionel Jospin im Amt, verkündete sie im Juli 1997 die Verringerung der französischen Truppen auf dem Kontinent. Statt 8360 sollten nur noch 5000 SoldatInnen dort ihren Dienst tun. Das sah damals nach einem Bruch mit dem Neokolonialismus der Vorgängerregierungen aus, war es aber nicht. Auch die konservativen Amtsvorgänger von Jospin hatten bereits ähnliche Pläne geschmiedet. Doch die Idee dabei war weder bei dem einen noch bei den anderen, auf eine Einflussnahme in Frankreichs «Hinterhof» zu verzichten. Vielmehr wollte sich die französische Regierung nicht von lokalen Regimes mit innenpolitischen Schwierigkeiten instrumentalisieren lassen.

Mitte der neunziger Jahre schwand der französische Einfluss in Afrika. Der Sturz der Diktatur in Ruanda (1994) und die Ablösung der Mobutu-Diktatur im damaligen Zaire durch den von den USA mitunterstützten Laurent Kabila (den Vater des jetzigen Präsidenten) in den Jahren 1996 bis 1997 brachten den USA einen politisch-militärischen Terraingewinn. Die USA unter Bill Clinton bestanden darauf, dass Konflikte auf dem Kontinent vermehrt durch die afrikanischen Staaten selbst gelöst werden müssten.

In Paris war man darüber eher erleichtert und sprach von einer «Selbstverwaltung der afrikanischen Krisen». Dieses Rezept ging jedoch nicht auf. Die Stabilisierung von Staaten wie Tschad, wo ein Clan die ganze Macht für sich beansprucht, oder von Regimes wie jenem der Elfenbeinküste erwies sich als ein zu schwieriges Unterfangen. Zudem zeigten die USA unter Präsident George Bush nach 2000 zunächst wenig Interesse an dem Kontinent. Das änderte sich erst 2003 im Rahmen des «Krieges gegen den Terror». Es galt nun, ein Einsickern von al-Kaida in die Sahelzone zu verhindern, etwa durch die Einrichtung von Militärstützpunkten.

Macht und Öl

So ist jetzt auch Frankreich wieder stärker militärisch engagiert. Die Anzahl französischer SoldatInnen auf dem afrikanischen Kontinent beträgt heute 11000. In der Zentralafrikanischen Republik etwa wurden Anfang 2003 gegen 200 französische Soldaten stationiert, im November dieses Jahres kamen weitere hundert hinzu. Wenn das nicht ausreicht, kann jederzeit Verstärkung aus dem Nachbarland Tschad eingeflogen werden. Auch im Tschad selbst, wo mehrere Rebellenbewegungen gegen das Regime in N’Djamena kämpfen, wird sich Frankreich militärisch noch stärker engagieren. Am 30. November besuchte Premierminister Dominique de Villepin für ein paar Stunden das Land. Laut der Pariser Presse versprach er dabei dem seit sechzehn Jahren diktatorisch regierenden Staatschef Idriss Déby zusätzliche militärische Ausrüstung (Maschinengewehre, Geländefahrzeuge) und, wo nötig, weiteres Eingreifen der in N’Djamena stationierten Mirage-Kampfflugzeuge. Diese hatten bereits im April geholfen, Rebellen zu stoppen, die sich im Anmarsch auf die Hauptstadt befanden.

Die französische Regierung rechtfertigt ihre jüngsten militärischen Interventionen im zentralen Afrika damit, einen Flächenbrand verhindern zu wollen. Allerdings bietet die Präsenz in Afrika dem Land auch die Möglichkeit, sich international als Grossmacht aufzuspielen. Bis heute sind rund zwanzig afrikanische Regierungen wann immer nötig bereit, Frankreich in der Uno-Generalversammlung zu unterstützen. Hinzu kommt der Rohstoffreichtum des Kontinents, der die französische Präsenz auch wirtschaftlich erklärt. So ist Frankreich etwa eng mit den Regimes der Ölstaaten Kongo-Brazzaville und Gabun liiert. Die französischen Truppen in der Region garantieren, dass sich diese Regimes an der Macht halten und der französische Konzern Total das Öl abpumpen kann.

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