Nr. 26/2008 vom 26.06.2008

Charles Bukowski

Von Florian Vetsch

Dass Hank Chinaski, der abgehalfterte Mann mit der Ledertasche, der harten Kindheit, dem vielen Whisky und dem umtriebigen Liebesleben noch kurz vor dem Tod so einen vorlegen würde, hätte wohl keiner gedacht. Doch der Mann liess nicht locker und schrieb bis an den Rand des Todes glaubwürdige Gedichte.

Die Sammlung «Letzte Meldungen» von Charles Bukowski (1920-1994), die Carl Weissner zusammengestellt hat, könnte auch «Hank’s Finest» heissen. Ein starkes Stück reiht sich ans andere. Alles geradeaus, unausweichlich, unvermeidlich, notwendig. Im typischen Parlando-Stil Bukowskis, dem Mund abgeschaute Brocken: vulgär, aufbegehrend, glasklar. Da finden sich Gedichte, in denen sich Bukowskis literarische Alter Ego mit dem Ausbruch der tödlichen Krankheit Leukämie und der Wirklichkeit kalifornischer Spitäler auseinandersetzt und dem herannahenden Tod unverblümt ins Auge blickt. Da finden sich Texte, in denen er brillant Szenen aus seiner Kindheit, Jugend und seinem Mannesalter aufblühen lässt, prägnante Erinnerungen, vor dem gealterten Auge noch intensiver, deutlicher - farbiger geworden wie die Blätter im Herbst: Vintage-Bilder ohne Rührseligkeit.

Das könnte man auch über die Hommagen an Liz Taylor und Ernest Hemingway sagen: «Kleopatra mit sechzig» und «Hackevoll vor 12 Uhr mittags». Die Qualität der Auswahl hat mit Carl Weissner zu tun, dem Übersetzer, Agenten und Vertrauten Bukowskis. Weissner sagt über seine Auswahl in einer editorischen Notiz: «Einziges Kriterium war auch diesmal: Qualität. Dass ich das Material der Originalausgaben nicht komplett übernehme, liegt daran, dass meine Vorstellungen von Qualität nicht so locker sind wie die der amerikanischen Herausgeber. Ich orientiere mich an Bukowskis eigenen Kriterien: Selbst im schönsten Schaffensrausch hielt er höchstens die Hälfte seiner Gedichte für gelungen. Wenn er sehr streng mit sich war, liess er nur noch zehn Prozent gelten.»

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