Nr. 39/2008 vom 25.09.2008

Folsom Prison Blues

Von Florian Vetsch

Mit «You Can’t Win» (1926) hat sich der Landstreicher und Berufseinbrecher Jack Black (1868-1933) in die US-amerikanische Literatur eingeschrieben. Auf Deutsch ist das Buch seit 1998 unter dem Titel «Du kommst nicht durch» greifbar: eine gradaus erzählte Lebensgeschichte von einem, der bewusst die Verbrecherlaufbahn einschlug, anfänglich aus Abenteuerlust, dann um seine Opiumsucht zu stillen. «You Can’t Win» inspirierte die Genres der True Crime Stories sowie der Hard-Boiled-Krimis und lieferte die Blaupause für William S. Burroughs’ Erstling «Junkie».

Mit dem Codex des Johnson lieferte Black eine Figur, die auch durch Burroughs’ spätere Romane geistern sollte: Bist du ein Johnson, oder bist du ein Verräter? Black war ein Johnson. Und das schon 1903, als er in Folsom Prison Zeuge des grossen Ausbruchs wurde, den eine Handvoll mit Rasiermessern bewaffneter Männer lostrat. Der Ausbruch erregte so viel Aufmerksamkeit, dass die Haftbedingungen sich ändern mussten: Das Essen wurde besser, das Spitzelsystem beigelegt, die Folter der Zwangsjacke, die zu lebenslangen Lähmungen und zum Tod führen konnte, wurde zwar noch nicht abgeschafft, kam aber kaum mehr zum Einsatz.

«Ich habe diese Neuerungen nicht mehr erlebt. (...) Als ich aus Folsom rauskam, hatte ich mich noch kaum von der Zwangsjacke erholt. Ich befand mich wieder in Freiheit, fühlte mich aber wie ein Raubtier, das man inmitten seiner Opfer freigelassen hatte», schliesst Black seinen Bericht «Der grosse Ausbruch aus Folsom Prison» von 1917, der jetzt auf Deutsch erschienen ist. Das Buch lässt keinen mehr los, der darin zu lesen beginnt. Es dokumentiert die menschenverachtenden Verhältnisse in US-Gefängnissen, wie sie nicht nur in Abu Ghraib und Guantánamo Urständ feierten.

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