Nr. 48/2008 vom 27.11.2008

Im demokratischen Schuhladen

Mit dem BonNetzBon kann man nicht nur bezahlen, sondern auch nachhaltiges Wirtschaften und soziales Handeln unterstützen.

Von Katharina Morawietz

«Unser Geld verbindet», sagt Claudia Studer, Sekretärin der Genossenschaft Netz Soziale Ökonomie in Basel. Die Genossenschaft hat vor drei Jahren den BonNetzBon (BNB) entwickelt, eine lokale Alternativwährung zum Franken. Seither tauchen die weissblauen Bons in Geschäften und Restaurants auf und werden gerne verschenkt - unter dem Zeichen ökologischer und sozialer Verantwortung. Mittlerweile beteiligen sich rund fünfzig Unternehmen und Organisationen am BNB. «Wir decken bereits viele Alltagsbedürfnisse ab.» Studer zeigt im Büro herum. «Als wir eingezogen sind, hat ein Elektrogeschäft aus dem Netzwerk die Installationen gemacht, die Möbel haben wir mit BNB bezogen und einen Teil der EDV.» Auch der Kaffee, den Hans-Georg Heimann, Mitinitiator des BNB, gerade genüsslich trinkt, wurde mit BNB gekauft.

Die Währung funktioniert ganz einfach. Wer bei der Genossenschaft hundert Franken einzahlt, erhält hundert BNB. Mit diesen kann man in angeschlossenen Geschäften und Betrieben bezahlen. Diese wiederum können bei anderen Unternehmen des Netzes mit den BNB Dienstleistungen und Waren beziehen. Falls ein Unternehmen zu viel BNB erhält und sie diese wieder in Franken tauschen möchte, ist dies mit einem kleinem Verlust möglich; die BNB sind zu hundert Prozent gedeckt.

Keine Lust auf Karussell

Der Soziologe Isidor Wallimann, der die Idee zur Alternativwährung hatte, erläutert das Prinzip: «Der BNB ist zwar Geld, aber mit einer bestimmten Zielsetzung verknüpft.» Es kann weder aus der Region abfliessen noch zur Spekulation eingesetzt werden. Zudem fördert es ökologisch und sozial nachhaltige Betriebe in der Region Basel. Die Genossenschaft als Herausgeberin besteht aus Organisationen und Unternehmen, die demokratisch organisiert sind und deren MitarbeiterInnen auf zentrale Fragen wie Gewinnverteilung und Personalpolitik Einfluss haben. Auch in der Genossenschaft selbst hat jedes beteiligte Unternehmen eine Stimme. So ist der BNB laut Wallimann «die erste demokratisierte Währung der Welt».

Wer BNB in seinem Geschäft akzeptiert, muss die Ziele der Genossenschaft wenigstens ideell mittragen. Entscheidungen zur Ausrichtung des BNB werden jedoch in der Genossenschaft getroffen - etwa darüber, wie Einnahmen und Rücklagen eingesetzt werden. Zurzeit überlegt sie sich, einen Teil dieses Geldes in erneuerbare Energien zu investieren. «Längerfristig könnten wir den BNB so vom Franken abkoppeln und den Gegenwert mit Kilowattstunden garantieren.» Mitinitiator Heimann sieht darin eine Möglichkeit, den BNB krisenresistent und unabhängiger vom globalen Finanzkarussell zu machen.

Für die KonsumentInnen entsteht mit den Netzbons vor allem ein ideeller Mehrwert. «Zahle ich mit BNB, dann zeige ich, dass ich soziales Wirtschaften unterstütze», sagt Studer. Darüber hinaus nehmen die KonsumentInnen direkten Einfluss auf den Geldkreislauf: «Wenn ich meine Schuhe beim Schuhmacher Eichenberger flicken lasse und mit BNB zahle, kann ich sicher sein, das Eichenberger die BNB wieder bei einem anderen Geschäft des Netzwerks ausgibt.» In der Stadt Binningen, wo der Verein Ökogemeinde Binningen die Alternativwährung tatkräftig fördert, hat sich der BNB schon so weit verbreitet, dass kleine Läden ihren Umsatz spürbar steigern konnten: «Die Leute kommen extra wegen der BNB in die Geschäfte.» Heimann sieht darin ein effektives Mittel gegen das Sterben der kleinen Läden.

Krisen kollektiv bewältigen

Entstanden ist der BNB aus der Idee der Selbsthilfe unter Arbeitslosen. Heimann von der Kontaktstelle für Arbeitslose und der Soziologe Wallimann suchten in den neunziger Jahren eine Möglichkeit, Arbeitslose aus den erfolglosen Beschäftigungsprogrammen herauszuholen. Sie wollten sie in Gruppen organisieren, in denen sie gemeinsam Unternehmen gründen können. «In einer Krise ist es wichtig, dass man sich kollektiv organisiert.» Dazu brachten sie diese Gruppen mit selbstverwalteten Betrieben und ökologischen Initiativen zusammen und bauten eine gemeinsame Genossenschaft auf. Ein Viertel der Betriebe des BNB sind so entstanden. Der BNB bietet ihnen eine Plattform, um sich zu präsentieren. Die Beteiligten gestalten das Netz auch mit. So entstand der Wunsch, frisches Gemüse mit dem Netzbon kaufen zu können. Vor kurzem hat man nun einen Biomarkt gefunden, der die BNB annimmt. Nicht zuletzt kann die Genossenschaft den Unternehmen auch mit kleinen Darlehen helfen.

Eine Gefahr für den BNB sieht Heimann im Lokalpatriotismus. Und auch Wallimann betont, dass der BNB zwar als Widerstand gegen die Globalisierung verstanden werde, doch er präzisiert: «Wir verlieren die Perspektive des Globalen nicht.» So ist im Netz etwa auch die Interprofessionelle Gewerkschaft der ArbeiterInnen (IGA) vertreten, die Sans-Papiers unterstützt, oder ein Verein, der solidarischen Tourismus auf den Komoren organisiert. Auch Mikroökonomien von MigrantInnen werden vom BNB unterstützt. Im Dreiländereck angesiedelt, ist die Genossenschaft zudem über die Landesgrenze hinaus vernetzt, denn sowohl im Elsass als auch in Süddeutschland gibt es ähnliche Alternativwährungen.

Die Genossenschaft baut ständig an der BNB-Idee weiter. «Wir befinden uns noch im Stadium des Ausprobierens. Es sind erst etwa 18 000 BNB im Umlauf.» So kann das Netz noch Erfahrungen sammeln und sich an neue Situationen anpassen. Wallimann beschreibt den BNB als Soziotop, wo im Kleinen eine alternative Form des Lebens und Wirtschaftens angelegt werde.

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