Nr. 16/2010 vom 22.04.2010

Argentinisches Gegenlicht

Von Valentin Schönherr

Sara Rosenbergs argentinischer Diktaturroman «Gegenlicht» spielt im Heute. Er erzählt davon, wie die Überlebenden der argentinischen Militärdiktatur von der Vergangenheit eingeholt werden – auch und gerade dann, wenn sie versuchen, ein neues, eigenes Leben zu führen.

Nicolás, ein erfolgreicher Notar und angehender Politiker, möchte mit dem Erbe des Vaters abschliessen und die familieneigene Finca verkaufen. Sein Bruder Jerónimo, der während der Diktatur inhaftiert war und jetzt in Madrid ein Theater betreibt, ist dagegen. Denn auf dem Gelände hatte damals ein geheimes Gefängnis bestanden. Während Nicolás das Ende der Karriere fürchtet, wenn die Sache öffentlich wird, ist Jerónimo interessiert daran, das Schweigen zu brechen und Ermittlungen auf der Finca zuzulassen.

Verheiratet ist Jerónimo mit der Schauspielerin Griselda, einer Alkoholikerin, die davon überzeugt ist, dass die alten Schergen der Diktatur immer noch aktiv sind. Regelmässig, so behauptet sie, drängen diese in ihre Wohnung ein und überwachten alles. Niemand glaubt ihr, selbst dann nicht, als Jerónimo eines Tages verschwindet und kurz darauf tot in einem Hotelzimmer aufgefunden wird. Selbstmord lautet die ärztliche und auch die polizeiliche Version. Aber es war Mord. Denn tatsächlich ist in diesem Roman eine Geheimdienstgruppe unterwegs, um ZeugInnen und Zeugnisse der Militärdiktatur mit allen Mitteln aus dem Weg zu räumen.

Griselda, hilflos und im Suff, setzt die Wohnung unter Wasser und wird in die Psychiatrie eingeliefert. Die erwachsene Tochter Laura reist aus Argentinien an, kümmert sich um die verfahrene Situation und versucht gleichzeitig, etwas über ihren Vater herauszufinden, über dessen Theaterarbeit sie promoviert. Schliesslich kommt noch der Spitzel Checo ins Spiel, der auf Griselda und Laura angesetzt ist, aber eigentlich aussteigen will. Spannend, was Sara Rosenberg aus dieser Konstellation alles macht.

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