Nr. 49/2010 vom 09.12.2010

Ein Weltbürger mit maximaler Leistung

Er führte ein abenteuerliches Leben. Am 23. November starb Max Watts, der langjährige WOZ-Korrespondent in Australien.

Von Vivienne Porzsolt und Norman Brewer

Max wurde am 13. Juni 1928 als Thomas Schwätzer in eine jüdisch-säkulare Mittelklassefamilie in Wien geboren. Sein Vater Emil war Arzt, seine Mutter Giza Journalistin.

Nach der Machtübernahme von Hitler in Österreich 1938 flüchtete die Familie von Max zuerst nach Frankreich, musste sich dann aber für die weitere Flucht trennen. Max ging mit seinem Vater nach England, wo der Vater ihn in fremde Obhut gab und dann Selbstmord beging, weil er glaubte, die Visumsverlängerung für ihn und Max sei verweigert worden. Max fand später heraus, dass es im entsprechenden Bescheid einen Schreibfehler gegeben hatte.

Der kleine Max wuchs in England in verschiedenen Heimen auf. Während des Kriegs erwarb er sich etwas Taschengeld, indem er explodierte Mörsergranaten sammelte und Blindgänger suchte. Bereits im Alter von zwölf Jahren schloss er sich der Kommunistischen Jugend in England an – und wurde schon bald Bezirksleiter der Organisation.

In der Kommunistischen Partei

1944 konnte der 16-Jährige zu seiner Mutter und Schwester in die USA reisen, weil er sich für älter ausgab, als er war. Dort studierte er Politik, Ökonomie und Aviatik, qualifizierte sich als Drucker, engagierte sich in der Internationalen Typografiegewerkschaft und wurde schliesslich Organisator in der Elektrikergewerkschaft. Er trat der Kommunistischen Partei der USA bei, behielt aber, wie er später sagte, immer seinen eigenen (Dick-)Kopf und lehnte Dogmatismus und Sektierertum ab.

Um nicht als Soldat für den Koreakrieg eingezogen zu werden, emigrierte er Anfang der fünfziger Jahre nach Israel. Doch auch dort sollte er schon bald Kriegsdienst leisten: «Ich kenne keine Koreaner. Und auch keine Araber. Und sie haben mir auch nie etwas getan», begründete Max seine neuerliche Emigration nach Frankreich. In Paris studierte er Geophysik, promovierte und lehrte dann an der Universität von Paris. Ein Verfahren, bei dem durch Reflektion elektrischer Schockwellen Öl aufgespürt werden kann, brachte ihm einigen Ruhm und Geld. Sein Pseudonym, unter dem er später leben sollte, leitete sich aus seinem physikalischen Faible ab: MAXimum WATTage – maximale Leistung eben.

Mitte der fünfziger Jahre zog es ihn nach Kuba, wo er eine dauerhafte Anstellung als Geophysiker angeboten bekam. Allerdings blieb er dort nicht lange. Er sehnte sich nach den Pariser Cafés, dem Philosophieren und Politisieren und seinen Freundinnen. Max war nie monogam.

Gegen den Vietnamkrieg

Mitte der sechziger Jahre unterstützte er von Paris aus den Widerstand der US-amerikanischen GIs gegen den Vietnamkrieg. Er war einer der Köpfe der Organisation Resistance Inside the Army (Rita). Der Widerstand innerhalb der US-Streitkräfte gegen den Vietnamkrieg war stark. Zeitweise gab es bis zu 400 Antikriegszeitungen der GIs in Europa und den USA. Max sorgte dafür, dass die Deserteure Anwälte bekamen und Prominente wie Jane Fonda und Catherine Deneuve die Kriegsgegner politisch und finanziell unterstützten. Später sollte er seine Erfahrungen im 1989 veröffentlichten Buch «US-Army-Europe – von der Desertion zum Widerstand in der Kaserne oder wie die U-Bahn zu Rita fuhr» verarbeiten.

Sein Engagement gegen den Vietnamkrieg missfiel den französischen Behörden. Mehrmals wurde er verhaftet und deportiert. Er reiste jedoch immer wieder ein und klagte schliesslich erfolgreich gegen die Ausschaffung.

Später verschlug es Max nach Heidelberg, dem Standort des Hauptquartiers der US-Armee in Europa. Max unterstützte auch dort die US-Soldaten. Er verdiente nun sein Geld als freier Journalist. Ein Coup gelang ihm, als er 1973 nachweisen konnte, dass die CIA sein Telefon in Deutschland illegal angezapft hatte. Es brachte ihm neben einer finanziellen Entschädigung aus Washington auch eine gewisse Berühmtheit ein.

Max sah sich allerdings weiterhin von der CIA verfolgt. So beschloss er, nach Australien auszuwandern. Von hier aus schrieb er für australische und deutschsprachige Zeitungen. Sein erster WOZ-Artikel erschien 1985, sein letzter im August dieses Jahres über die australischen Wahlen. Ausserdem blieb Max politisch aktiv und unterstützte die Befreiungskämpfe in Bougainvilles, Osttimor und West-Papua.

Max konnte letztlich nur der Krebs besiegen.

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