Nr. 19/2011 vom 12.05.2011

Mit Kamera und Seil

Vom Barre des Écrins im Westen bis zum Montasch im Osten: Ein neuer Bildband zeigt, wie schön das Bergsteigen sein kann.

Von Pit Wuhrer

Wer es schon mal versucht hat, weiss, wie schwierig die Sache ist. Da hat man eine grosse Tour unternommen, hat bestes Wetter gehabt, ist heil zurückgekehrt und sitzt dann zu Hause frustriert vor den Fotos: Der steile Grat erscheint viel flacher, als er war, und vom vorauskletternden Kollegen sieht man meist nur den Hosenboden. Bergsteigen und gleichzeitig fotografieren, das geht selten gut – zumal anspruchsvolle Routen eine verlässliche Seilsicherung bedingen, die einen voll beschäftigt.

Das stellten auch die beiden Profifotografen Ralf Gantzhorn und Moritz Attenberger fest, als sie ihren Plan in die Tat umsetzten: innerhalb von drei Jahren die ihrer Meinung nach fünfzig schönsten Fels- und Eisgrate in den Alpen begehen und ihre Erlebnisse so abbilden, dass andere Lust aufs Nachsteigen bekommen. Also nahmen sie Seilschaften mit, die von ihren Sponsoren «zur Verfügung» gestellt wurden. Man mag da die Nase rümpfen, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen, sehr sogar. Ohne Menschen bleiben selbst die stimmungsvollsten Bergbilder blass.

Trotzdem war das Unterfangen für Attenberger und Gantzhorn kein Spaziergang: Die Berge sind kein Studio, und die Grate, die sie ausgewählt haben, gehören zu den schönsten, aber auch schwierigsten im Alpenraum. Traumhafte Anstiege, traumhafte Aufnahmen; und die kurzen Texte sind stimmig, die Angaben exakt. Ein paar Touren kenne ich, und ein paar weitere habe ich mir nach der Lektüre fest vorgenommen. Mehr kann ein Fotoband kaum bieten.

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