Nr. 45/2011 vom 10.11.2011

Nebelmeere und irisierende Wolken

Andreas Züst, forschender Sammler, Künstler und Mäzen, begann Mitte der siebziger Jahre, mit Kleinbildkameras Himmelserscheinungen zu fotografieren. Kurz vor der Jahrtausendwende kam eine Digitalkamera hinzu. Als Züst im 
August 2000 im Alter von 53 Jahren starb, hinterliess er – 
unter anderem – etwa 1200 Dias und einige digitale Bilder, archiviert unter dem Titel «Himmel».

Die Fotos zeigen die «optischen und meteorologischen Phänomene sowie Farben der Atmosphäre, u. a. Blitze, das Brockengespenst, Dämmerungserscheinungen, Föhnfenster, Halos, irisierende Wolken, nächtliche Nebelmeere, Nebelbögen, Nebensonnen … und das Zodiakallicht», schrieb Züst auf eine Vorführung der Tonbildschau «Himmel» hin, 
die er zusammen mit dem Schriftsteller Peter Weber im 
April 1999 im Fotomuseum Winterthur präsentierte.

Diese Tonbildschau zeigten die beiden beinahe dreissig 
Mal vor Publikum und variierten dabei ihre Auswahl subtil. 
Im nun vorliegenden Fotoband, der von Peter Weber und Züsts Tochter Mara herausgegeben wird, sind die ersten 81 Fotos nach einer handgeschriebenen Liste von Andreas Züst versammelt. Im zweiten Teil des Buchs sind weitere Bilder zu sehen, die seine intensive Auseinandersetzung mit dem Himmel und Erscheinungen am Firmament dokumentieren. Züsts Aufnahmen entstanden oft in der Dämmerung und mit langen Belichtungszeiten auch nachts. 
Dabei ging es ihm weniger um gestochen scharfe Bilder 
als um Stimmungen und Atmosphäre.

Züst war fasziniert von den Zwischenzonen, von nebelhaften
Verwehungen und Dunst, den Übergängen zwischen Tag und Nacht, dem Fluoreszierenden der Atmosphäre, wenn das Licht der Gestirne auf das elektrische Abstrahlungslicht 
der Erde trifft und sich mit ihm vermischt. Ganz allgemein war es die Gesamtheit der Himmelsphänomene, die ihn gefangen nahm.

Die Aufnahmen zum Fotoband «Himmel» entstanden weltweit, der grössere Teil aber in Züsts näherer Umgebung, 
auf dem Hof Spiegelberg, der unweit von Zürich in der Nähe des Bachtels gelegen ist. Fredi Bosshard

Andreas Züst: «Himmel». Hg. Peter Weber und Mara Züst. Edition Patrick Frey. Texte 
von Michel Mettler, Stefanie Sourlier, Bernd Stiegler, Peter Weber und Mara Züst. 
Zürich 2011. 352 Seiten. 248 Farbabbildungen. 78 Franken. www.editionpatrickfrey.ch

Die Galerie & Edition Marlene Frei in Zürich zeigt zwischen dem 19. November und 
dem 31. Januar Arbeiten von Andreas Züst unter dem Titel «Expanding Universe». 
www.marlenefrei.com

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch