Nr. 45/2011 vom 10.11.2011

Streiks im Kantonsspital

«Man muss das Mammut auf Trab bringen!», kann man in den Gängen des Genfer Universitätsspitals hören. Veraltete Einrichtungen und verkrustete Strukturen machen den Kranken das Leben ebenso schwer wie den Angestellten. Seit Mitte Oktober wird das Mammut tatsächlich wachgerüttelt: Einem ersten, schnell beigelegten Konflikt im Bereich der Krankentransporte folgte eine Protestbewegung der HilfspflegerInnen, die bis heute andauert. Demonstrationen, Generalversammlungen, Streikposten, mehrere Streiktage und Blockaden am Eingang des Spitals: Die Bewegung ist in den letzten Tagen immer militanter geworden. Und für heute Donnerstag ist zum Streik der 1200 HilfspflegerInnen auch noch ein Streik des Reinigungspersonals (600 Personen) und der LaborantInnen (180 Personen) angekündigt, falls die Spitaldirektion und der Genfer Regierungsrat nicht in letzter Minute einlenken.

Das Reinigungspersonal verlangt seit drei Jahren vergeblich eine Lohnerhöhung, während das Laborpersonal und die HilfspflegerInnen, deren Pflichtenheft vor zwei Jahren stark erweitert wurde, eine Neubewertung ihrer beruflichen Funktionen und die Einteilung in eine höhere Lohnklasse fordern. Sie machen geltend, dass sich der Pflegeberuf stark verändert habe. Die immer kürzeren Spitalaufenthalte, die neuen Technologien und höhere Ansprüche an die Pflege und an das Verhältnis zwischen PatientInnen und PflegerInnen würden die Arbeit anspruchsvoller machen.

Doch was passiert im Spital, wenn so viele nicht arbeiten? Die Streikenden haben beschlossen, in der Pflege und im Labor einen Minimaldienst zu gewährleisten. Aber geputzt wird nicht. Leidtragende der Schwerhörigkeit von Spitaldirektion und Genfer Regierung sind die PatientInnen. hb

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